|
ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 10. Februar 2006
Vorsitz: Verena Lubini
Anwesend: 51 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: Karin Loeffel, C. Meier
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Kurt Grimm: Kleinschmetterlinge – wenig
bekannte Schönheiten
Man ist sich noch immer nicht ganz einig, wie man die einzelnen
Familien der Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera) klassieren will. Ebenso
veraltet wie die Einteilung in Tagfalter (Diurna) und Nachtfalter (Nocturna)
ist jedenfalls auch die in Grossschmetterlinge (Macrolepidoptera) und
Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera). Der Referent bevorzugt das
Einheitssystem mit insgesamt 74 Familien, die man in 3 Unterordnungen (Zeugloptera,
Homoneura, Heteroneura) einteilen kann. Die erste umfasst nur die Familie
der Urmotten (Micropterigidae, in der CH 13 Arten), deren pollenfressende
Falter mit ihren kauenden Mundwerkzeugen noch an Köcherfliegen (Trichoptera)
erinnern, also an die Schwesterordnung der Schmetterlinge.
Der bestens dokumentierte Referent stellt nun mit Hilfe äusserst gelungener
Dias von Albi Krebs und ihm selbst nicht weniger als 77 besonders fotogene
Arten aus insgesamt 26 Familien vor. Leider kann hier nur eine willkürliche
Auswahl der gezeigten Tiere erwähnt werden.
Bei den Langhornmotten (Adelidae, 27) beeindrucken die Fühler der Männchen
(z.B. Adela degeerella), denn sie
sind 2.5 mal so lang wie der Körper. Die Raupen minieren zuerst, halten sich
später aber in der Laubstreu auf.
Die Raupen der Echten Motten (Tineidae, 56) bauen oft köcherartige Gehäuse,
die auch hinten offen bleiben. Ferner vermögen Mottenraupen Horn zu
verdauen. Halten sie sich dabei an Wollkleider, wie Kleidermotten (Tineola
bisseliella), oder an Pelze, wie Pelzmotten (Tinea
pellionella), empfinden wir sie als schädlich. Die Falter sind am
Kopf jeweils abstehend behaart.
Hübsch gezeichnet präsentieren sich die Miniermotten der Familie
Gracillariidae (121). Deren Raupen minieren zuerst linear, dann flächig,
wodurch sog. Platzminen entstehen, wie z.B. in Platanenblättern durch
Phyllonorycter platani. Ebenfalls
"Miniermotten" werden die oft metallisch glänzend gezeichneten
Cosmopterigidae (20) genannt.
Ähnlich wie bei den Trägspinnern (Lymantriidae) leben auch die Raupen
einiger Kleinschmetterlinge gesellig in schützenden Gespinsten. Zu erwähnen
wären vor allem die Gespinstmotten (Yponomeutidae, 69).
Auffällig mit den Flügeln wippen ruhende Rundstirnmotten (Glyphipterigidae,
11). So auch Glyphipterix simpliciella,
dieweil ihre Raupen die Samen des Wiesen-Knäuelgrases (Dactylis glomerata)
fressen.
Nur 2.5 bis 4 mm lang sind die Flügel der winzigen Grasminiermotten (Elachistidae,
77). Wir sehen Cosmiotes freyerella,
deren Raupen in Rispengräsern (Poa) minieren.
Von den Sackträgermotten (Psychidae, 63) wussten wir schon, dass die Raupen
sich ein Gehäuse bauen und die Weibchen in der Regel flügellos bleiben. Nun
erfahren wir, dass es auch bei den Faulholzmotten (Oecophoridae, 47) Arten
(z.B. Oecophora bractella) mit
ungeflügelten Weibchen gibt und dass auch die Raupen der Sackmotten (Coleophoridae,
141) Gehäuse bauen. Diese können aber verlassen werden, wenn eine Raupe
minieren möchte.
Als farbenprächtige, rasante, tagaktive Flieger werden Glasflügler (Sesiidae,
34) häufiger gesammelt, als Vertreterinnen der artenreicheren, aber
unauffälligeren Wickler (Tortricidae, 487), wie etwa die Vogelkot
imitierende Acleris variegana. Für
Arten beider Familien stehen indessen Pheromonfallen zur Verfügung, wenn
ihre minierenden Raupen Schaden stiften, wie bei Apfelbaumglasflügler (Synanthedon
myopaeformis) und Apfelwickler (Cydia
pomonella).
Ausserordentlich vielgestaltig sind die Zünsler (Pyralidae, 297). Die Falter
verfügen über ein Tympanalorgan, mit dem sie Fledermäuse akustisch orten
können. Die Raupen leben an den verschiedensten Orten, so bei
Acentria ephemerella im Wasser (!),
bei der Dörrobstmotte (Plodia
interpunctella) in Nahrungsvorräten.
Ende der
Sitzung: 21.15 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
|