Entomologische Gesellschaft Zürich

gegründet 1911

Mitglied der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft

Startseite
Portrait EGZ           
Mitglied werden          
Aktuelles / Agenda
Exkursionen
EGZ-Forum
Vorträge
Vortragsprotokolle
Vereinsleben
Fotogalerie EGZ
Vereins-Publikationen
Systematik
Insektenportraits
Spinnen
Literatur
Links
Neuerungen

 

 

 

 

10. Schweizerische Aculeaten-Tagung in Zürich (ETH), 31.1.2004

 

Nach einem eindrücklichen Vorabendvortrag (Volker Mauss, Stuttgart), zusammengefasst auf dieser home page wurde am 31.1.2004 an der ETH Zürich die 10. und letzte Schweizerische Aculeaten-Tagung durchgeführt. Sie wird künftig ersetzt durch die Schweizer Hymenopteren-Tagung, die zum ersten Mal am 5.2.2005 im Naturhistorischen Museum in Bern stattfinden wird.

Den sieben im folgenden zusammengefassten Vorträgen wohnten 52 Personen bei.

 

 

Warum ist die Wildbienenfauna im Zentralwallis so vielfältig?

Sabine Oertli,

Angewandte Entomologie, Institut für Pflanzenwissenschaften, ETH Zürich

Die Referentin hat die Wildbienenfauna des Raumes Erschmatt (619500/130000) zum ersten Mal ausführlich erfasst und untersucht, wie die Fauna von Umweltfaktoren strukturiert wird.

Die Untersuchung wurde in den Jahren 2001 und 2002 in einem knapp 2 km2 grossen, südexponierten Gebiet zwischen 1150 m und 1550 m ü. Meer durchgeführt.

Im Lauf der zwei Jahre - während ca. 500 Stunden Fang - konnten über 250 Wildbienenarten nachgewiesen werden. Die meisten davon waren selten. Unter den 20 individuenstärksten Arten waren überdurchschnittlich viele mit primitiv eusozialer Lebensweise. Unter den nur mit einem Individuum nachgewiesenen Arten waren überdurchschnittlich viele parasitische Arten. Rund ein Viertel der Arten wurde nur in einem der beiden Untersuchungsjahre nachgewiesen. Dies zeigt die Wichtigkeit von mehrjährigen Untersuchungen bei Studien über Artengemeinschaften.

Auf 28 Flächen, die zu 7 verschiedenen Nutzungstypen gehörten, wurden die Wildbienen quantitativ erfasst. Habitatattribute wie Blütenangebot und potentielle Nistplätze sowie Umgebungsfaktoren wie die Struktur der umgebenden Landschaft und Habitatattribute der Umgebung wurden aufgenommen.

Die Gesamtzahl der Individuen und Arten pro Fläche wurde nicht beeinflusst durch die Landnutzung, sie war jedoch positiv korreliert mit dem Blütenangebot auf den Flächen.

Endogäische Bienenarten waren auf den Mähwiesen stärker vertreten, während hypergäische Arten auf den ungenutzten Flächen (Brachen, Felsensteppen) häufiger vorkamen.

Fast zwei Drittel der Varianz in der Artenzusammensetzung auf den Untersuchungsflächen konnte mit den erhobenen Umweltvariablen erklärt werden: 19.6% der Varianz mit der Landnutzung, 12.9% mit den auf den Flächen vorhandenen Ressourcen (Blüten, Nistmöglichkeiten) und 18.4% mit der unmittelbaren Umgebung der Flächen (Landschaftsstruktur und Ressourcen). Die verbleibenden 14.6% werden durch Interaktionen der Variablengruppen erklärt. In dieser kleinräumig strukturierten Landschaft wird die Artengemeinschaft der Wildbienen offenbar durch lokale Unterschiede im Ressourcenangebot beeinflusst.

Hymenopteren der Schweiz: Facts, Figures, Fiction

Hannes Baur, Elsa Obrecht (beide Naturhistorisches Museum Bern) & Felix Amiet (Solothurn)

Hymenopteren sind zweifellos die grösste Insektenordnung in Mitteleuropa. In Deutschland sind gegen 8900 Arten nachgewiesen. In der Schweiz dürfte daher mit einer Zahl von ungefähr 8000 Arten gerechnet werden. Z.Z. sind jedoch nur etwa 4000 Arten publiziert. Besonders schlecht sind die parasitischen Hymenopteren untersucht, welche den grössten Teil aller Arten ausmachen. Demgegenüber sind die Aculeata und die Symphyta fast vollständig erfasst. Zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation wurde im Jahre 2003 das Projekt "Hymenoptera - Checklist" gestartet. Das Ziel ist die Erstellung einer möglichst vollständigen Liste aller Hymenopteren der Schweiz, welche durch Sammlungsexemplare und/oder glaubwürdige Literaturzitate belegt sind. Ferner soll der Grad der faunistischen Erfassung der einzelnen Familien beurteilt und die wichtigste Literatur bezüglich Faunistik und Bestimmung zusammengestellt werden. Die Checklist ist ein Gemeinschaftsprojekt von Spezialisten aus dem In- und Ausland mit dem Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF) in Neuenburg und der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft (SEG). Meldungen von seltenen oder für die Schweiz potenziell neuen Arten sind sehr erwünscht und können entweder den Organisatoren der Checklist (siehe oben) oder direkt dem CSCF mitgeteilt werden.

Fourmis du Tessin

Isabella Giacalone

Oikos2000, 6518 Gorduno; isabella.giacalone@oikos2000.com

La synthèse de la myrmecofaune tessinoise a été élaborée en considérant la littérature et le matériel provenant de recherches sur la faune entomologique du Tessin. Les fourmis, récoltées dans différentes régions du Tessin, sont déposées au Musée cantonal d'histoire naturelle de Lugano, à l’Institut fédéral de recherche pour la forêt la neige et le paysage (WSL) de Bellinzona ou encore à la Fondation Bolle di Magadino.

Les principaux sites étudiés ont été les zones alluviales de la rivière Brenno et de la Valle Maggia, les milieux humides des Bolle di Magadino, les prairies maigres du Monte Caslano et du Monte San Giorgio, les forêts mixtes des trois vallées Carecchio, Pontirone et Vergeletto, les châtaigneraies de la région de Locarno et de Pura, les routes forestières du Malcantone, différentes tourbières du Tessin, les zones périurbaines de Lugano et, pour les fourmis du groupe Formica rufa, certaines forêts de conifères. Comme chaque étude avait ses propres objectifs et particularités, que cela soit au niveau des méthodes appliquées, des fréquences et des surfaces des sites échantillonnés, il est très difficile de faire des comparaisons entre les communautés de ces différents milieux.

L’ensemble de ces recherches ont permis de découvrir 90 espèces de fourmis au Tessin, alors que la faune suisse compte 136 espèces (CSCF). Parmi les raretés observées seulement au Sud des Alpes citons Aphaenogaster italica Emery 1916, Bothriomyrmex menozzii Emery 1925, Chalepoxenus muellerianus Finzi 1921, Pheidole pallidula Nylander, 1849 et Pyramica argiola (Emery 1869) au Monte Caslano, ainsi que Leptothorax luteus Forel 1874, Stenamma petiolatum Emery 1897 et Stenamma striatulum Emery 1895 dans les châtaigneraies de la région de Locarno. J’ajouterai que, pour le Sud du Tessin, j’ai personnellement découvert un nid de Messor structor (Latreille 1798), dans un jardin de la ville de Coldrerio.

Beobachtungen an einer künstlichen Lehmwand

Felix Amiet

Forststr. 7, 4500 Solothurn

Blumenkistchen wurden mit einem Gemisch von Schlemmsand und Lehm aufgefüllt und als Wand aufgestapelt. Auplopus carbonarius (Wegwespe), Eumenes sp. (Faltenwespe), Pison atrum (Grabwespe) und Osmia adunca (Biene) nutzten die Wand als Lieferant von Baumaterial.

Die Pelzbiene Anthophora plumipes siedelte sich erst an, nachdem Löcher vorgebohrt worden waren. Die Wegwespe Agenioideus cinctellus, die Grabwespe Miscophus bicolor und die Faltenwespe Odynerus spinipes folgten nach, ohne eine Hilfe zu gebrauchen.

Schmarotzer liessen nicht lange auf sich warten. Melecta albifrons kontrollierte regelmässig die Nester von Anthophora plumipes und Fliegen der Gattung Anthrax konnten beim Abwurf ihrer Eier in die Nesteingänge von Odynerus beobachtet werden. Beide brachten die kleinen Wirtspopulationen zum Erliegen. Doch wenige Jahre darauf waren die Wirte wieder da. Die leeren Nester wurden durch Osmia adunca und Osmia caerulescens für ihre Zwecke wieder verwendet.

Vorschlag zum Aufbau einer 'Relationalen Datenbank' für Hymenopteren

Clemens M. Brandstetter

Ges. zur Kartierung der Wirbellosen in Vorarlberg und Liechtenstein, Schesastrasse 1, A-6706 Bürs

Prolog: Computer sind heute in vielen Bereichen eine nicht mehr wegzudenkende Einrichtung geworden. Der Nutzen liegt vor allem im schnellen Zugriff auf Daten, deren Vergleichbarkeit und der raschen Austauschbarkeit von Daten. Im folgenden sollen die Beweggründe zur Anlage einer Datenbank definiert werden, welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen und welche Auswertungen möglich sind. Aber auch Gefahren werden aufgezeigt.

1. Wozu Datenbanken
 

Wissenschaftliche Forschung

Systematik

Faunistik

Ziele der 'Agenda Systematik 2000' verwirklichen

Nutzen für Homo 'sapiens'

Natur- und Landschaftsschutz

Welche Tierarten sind schützenswert

Wo sind Biotope mit schützenswerten Tierarten

Nutzen für die Natur, 'Nebennutzen' für den Homo sapiens


2. Voraussetzung für das Speichern von Tierarten
 

Jemand muss protokollieren und sammeln.

Wurde gesammelt, sind die Tiere der Nachwelt in bestem Zustand zu übergeben:

Nadeln (rostfrei)

Etikettierung

genaue Bezeichnungen

säurefreie Papier/Kartonsorten

Druck mit Druckerschwärze, Tusche, Bleistift


3. Determination
 

durch aktuelle Literatur (auch als Datenbank!)

Kontakte zu Spezialisten


4. Publizieren
 

Systematik

Faunistik

Verhalten

Nutzen für den Homo sapiens

Überraschendes aus dem Leben der Furchenbiene Lasioglossum pallens

Mike Herrmann

Sonnentauweg 47, D-78467 Konstanz

Von der kleinen Furchenbiene war bisher nur wenig bekannt. Man weiss, dass sie - im Gegensatz zu allen anderen einheimischen Furchenbienen - in nur einer Generation im Frühling fliegt und wie alle Furchenbienen wohl im Erdboden nistet. Es gibt nur wenige und weit zerstreute Nachweise aus klimatisch begünstigten Lagen. Die Art wurde allerdings in ganz unterschiedlichen Lebensräumen gefunden, so auf Gesteinshalden, in Trockenrasen, Streuobstwiesen, Waldrändern, Bachauen und in einem Hausgarten. Bei den eigenen Untersuchungen zeigte sich, dass die Art, zumindest regional, keineswegs selten, sondern häufig ist. Sie besitzt aber eine ungewöhnliche Lebensweise und kommt in der Regel nicht auf Blüten der Krautschicht vor. Die Männchen umfliegen im ersten Frühling ab Mitte März knospenden Laubgehölzen und Nadelbäumen von Kopfhöhe bis zur Baumkrone in 15 m Höhe. Die Weibchen sammeln den benötigten Pollen ganz überwiegend an Bäumen. Bei allen 28 untersuchten Pollenladungen stammte der weitaus größte Anteil von Eichen (Quercus spec.). Als morphologische Anpassung an das Sammeln und Transportieren von staubfeinem, nicht klebrigen Pollen windblütiger Bäume hat L. pallens eine ungewöhnlich feine und dichte Behaarung an den Bauchsegmenten ausgebildet. Erstmals überhaupt konnte ein Nistplatz dieser Art gefunden werden. Er lag in einem halbschattigen Bereich am Rande einer Liegewiese eines Freibades! Die Vegetation gehört zu den Trittrasengesellschaften und war mit einer Deckung von 60 % sehr lückig. Bei zwei kurzen Beobachtungsterminen an den Nestern zeigte sich, dass die Art nicht - wie in der Literatur vermutet wird - solitär, sondern sozial lebt. In jedem Nest gab es eine Wächterin, die heimkehrenden Tieren Platz machte. Es wurden bis zu 6 Weibchen pro Nest sicher festgestellt. In welcher sozialen Lebensform die Tiere zusammenleben, ist noch unklar. Aufgrund der ungewöhnlichen Phänologie wird eine Abweichung von der bei Furchenbienen vorherrschenden primitiv eusozialen Lebensweise vermutet.

Literatur: Herrmann, M., F. Burger, A. Müller & S. Tischendorf (2003): Verbreitung, Lebensraum und Biologie der Furchenbiene Lasioglossum pallens (Brullé 1832) und ihrer Kuckucksbiene Sphecodes majalis Pérez 1903 in Deutschland - Carolinea 61: (im Druck).
 
 
 

Auswahl von Baumaterial bei verschiedenen Stechimmen

Werner Hauenstein

Steinackerstr. 5, 8957 Spreitenbach; www.bfnu.ch

Mir ist in meiner 30-jährigen Arbeit als Naturgartenbauer aufgefallen, dass sich immer wieder die verschiedensten Stechimmen teilweise schon während der Umbauarbeiten in den neuen Gärten zeigen. Oft sind es Tierarten, welche die Kunden vorher noch nie gesehen hatten. In den letzten 5 Jahren habe ich nun genauer angeschaut, welche Tiere zu welcher Jahreszeit sich wie schnell einfanden.

Meine Beobachtungen: Die Tiere - verschiedene Weibchen - suchen auf einer für unser Auge gleichen Kiesfläche während mehrerer Tage immer die selben 5 cm2 auf, um nur hier ihr Baumaterial aufzunehmen. Sehr wichtig ist der Feuchtigkeitsgehalt des Substrates. Wenn es zu trocken wurde, blieben sie fern. Eine kleine Wasserstelle, welche katzensicher angelegt ist, wird immer sehr gerne angenommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Garten in Zürich ist oder ob er irgendwo auf dem Land liegt. Je offener die Bodenstruktur gehalten ist, desto vielfältiger ist die Besiedlung. Eine dünenartige Gartengestaltung ist vom Mikroklima her mehr als 10-mal so artenreich wie ebene Flächen. Natürliche Baumaterialstandorte müssen jedes Jahr neu verwittern, um attraktiv zu bleiben. Nur schon ein Flaum von Moos oder Algen im Abbaugebiet genügt und die Fläche ist nicht mehr gefragt und bleibt verlassen.

Wenn ein Kunde sich für Stechimmen interessiert und er sie fördern will, indem er „Trockenstandorte" gestaltet, ist ein Erfolg noch lange nicht gesichert. Es ist wichtig, den Tieren das richtige Baumaterial anzubieten. Nicht die Menge sondern die Zusammensetzung ist wichtig. Wie heisst es in der TV-Werbung: Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.

 


 

created by Daniel Bolt, Entomologische Gesellschaft Zürich