Entomologische Gesellschaft Zürich

gegründet 1911

Mitglied der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft

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Vortragsprotokolle der EGZ

Felix Amiet:  Drei Wochen am Rio Caura in Venezuela

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 28. Oktober 2005
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      38 Mitglieder und Gäste

Mitteilung:      Als neues Mitglied begrüssen wir Isabelle Flöss mit Applaus.
Entschuldigt:    K. Loeffel, H. Thomas, H. Vicentini
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Felix Amiet: Drei Wochen am Rio Caura in Venezuela

 

Ein Freund des Referenten, Bernhard Jost (BE), reist für drei Wochen an einen abgelegenen Ort am Ufer des Rio Caura – eines Nebenflusses des bekannteren Rio Orinoco - im venezolanischen Regenwald, um die letzten Schmetterlingsarten des Landes zu fangen, die ihm noch fehlen. Ihm schliessen sich der Heuschreckenspezialist Daniel Rösti (BE) an sowie der Referent, welcher nebst Stechimmen und ihren Lebensräumen auch andere Organismen fotografieren möchte.

Als die Dreiergruppe Mitte September ankommt, bezieht sie eine der traditionellen, offenen Rundhütten im Camp des Indianerreservates, prächtig gelegen bei der Einmündung eines von Stromschnellen geprägten Zuflusses. Im Rio Caura selbst zeigen sich dieweil Flussdelfine (Inia geoffrensis). Das Gefühl der Idylle wird allerdings getrübt, weil keine Schmetterlinge zu sehen sind. Zudem bedauert der Referent den kulturellen Status der lokalen Indios, die nach seinem Geschmack zu viel fernsehen und Video schauen, sich zu sehr um den Touris­mus kümmern, damit aber ihre traditionelle Lebensweise als Fischer, Jäger und Sammler vernachlässigen.

Die Uferzone des Rio Caura ist in der Umgebung des Camps sandig und relativ offen. Dementsprechend beobachtet man 3-4 verschiedene Kreiselwespen (Bembix), die zum Teil Wanzen eintragen und mitunter sogar Vögel bis zu den Baumwipfeln hinauf verjagen. Libellen fliegen herum, dann und wann zeigt sich auch eine Art Maulwurfsgrille an der Sandoberfläche. Die verschiedensten Spinnen (Springspinnen, Argiope, etc.) erfreuen das Auge mit ihren bizarren Formen und auffälligen Farben, von denen man übrigens annimmt, dass sie Insekten anlocken könnten. Besonders in Erinnerung bleiben dürfte auch jene Vogelspinne (Theraphosidae), die sich vom Referenten zwar ablichten liess, ihn und seinen Kollegen dabei aber offenbar mit hautreizenden Brennhaaren eindeckte. Zu erwähnen sind auch grosse Stechameisen (Ponerinae), wie eine bis zu 2 cm lange Pachycondyla

Nebst Gliederfüsslern gibt es auch viele Fledermäuse und vor allem Vögel zu beobachten, namentlich Cayenne-Kiebitz (Vanellus chilensis), Karakara (Polyborus plancus), Tukane (Ramphastidae), Gelbscheitelamazone (Amazona ochrocephala) und Schneebussard (Leucopternis albicollis). Die intelligenten Roten Aras (Ara macao) sah der Referent allerdings nur wolkenhoch über Schussweite übers Camp fliegen. Mitten im Camp hingegen hielt sich ein von Hand aufgezogener Hoazin (Opisthocomus hoazin) auf. Dort gelang es dem Referenten sogar, das grösste südamerikanische Säugetier in Form eines zahmen jungen Tapirs (Tapirus terrestris) aufzuspüren. Von den beobachteten Kriechtieren sind vor allem Waldschildkröte (Geochelone denticulata), verschiedene Geckos (Gekkonidae) und Tejus (Tupinambis) zu erwähnen. Was den lokalen Wald betrifft, so kann er zwar nicht als primär, wohl aber als besonders bezeichnet werden. So findet man in ihm auffallend viele Lianen (Schlingpflanzen), meterhohe Heliconien (Heliconiaceae) und trotz sehr hoher Luftfeuchtigkeit auch grosse Kakteen (Cactaceae)!

Nach zwei Wochen schmetterlings- und auch heuschreckenarmer, schrecklicher Zeit wurde es dem Kollegen Rösti zu langweilig und er zog weiter, zu bekannten Fundorten von grösseren Säugern. Just danach aber begannen im Wald allenthalben frische Blätter und auch Blüten auszuschlagen. Nun kamen plötzlich die ersehnten Schmetterlinge (Nymphalidae u.a.) und Heu­schrecken zum Vorschein. Mit ihnen trat auch eine Fülle anderer Tiere auf den Plan, die man zuvor nicht gesehen hatte. Prachtbienen (Eulaema) liessen sich locken, andere Bienen (Centris) flogen Seifenreste am Flussufer an, Schnellkäfer (Elateridae), Bockkäfer (Cerambycidae) und Rüsselkäfer (Curculionidae) krabbelten herum, Laubfrösche (Hyla), Gelbgebänderte Baumsteiger (Dendrobates leucomelas) und sogar Schlangen zeigten sich, darunter eine hochgiftige Rauhschuppige Lanzenotter (Bothrops asper).

            Ende der Sitzung: 2105 Uhr                                         der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

 

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