Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Hans und Monika Dossenbach:  Löwenaffen - an der Schwelle des Überlebens

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 18. November 2005
Vorsitz:           Verena Lubini
Anwesend:      46 Mitglieder und Gäste

Entschuldigt:    C. Meier
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Hans und Monika Dossenbach:   Löwenaffen – an der Schwelle des Überlebens

 

Ohne Verbindung zum bekannteren Amazonas-Regenwald erstreckte sich der Atlantische Regenwald (Mata Atlântica) vor 500 Jahren entlang der ganzen Ostküste Brasiliens. Heute ist die Gegend aber so dicht besiedelt, dass von diesem ausserordentlich artenreichen Wald (450 Baumarten/ha) nur noch wenige Reste vorhanden sind. Eines davon ist das 200 km südlich von Salvador de Bahia gelegene Una-Reservat (70.8 km2). Nur dort findet man die letzten 200 wildlebenden Goldkopf-Löwenäffchen (Leontopithecus rosalia chrysomelas). Da von dieser gefährdeten Unterart bislang noch keine Freilandaufnahmen existierten, reiste das Referentenpaar von Juli bis August 2005 hin, um Löwenäffchen, aber auch andere Tiere zu fotografieren.

Bereits das erste Dia beschert uns ein Wiedersehen mit den von Hans Thomas' Vortrag (16.1.2004: "Allerlei Bienenarten in der Karibik") bekannten, stachellosen Räuberbienen (Lestrimelitta limao). Ihren kollektiven Raubflügen können nur wenige honigsammelnde Bienen standhalten. War es in der Karibik Trigona jaty, so ist es im Una-Reservat (Bahia) Tetragonista angustula, welche im Flug mit den Hinterbeinen Harztropfen auf angreifende Räuberbienen wirft. Völlig unabhängig von Honig geworden ist die ebenfalls stachellose Biene (Meliponinae) Trigona hypogea, denn ihre Arbeiterinnen tragen das Aas toter Tiere ein und speichern es in vorverdauter, flüssiger Form in Tönnchen.

Während sich am Strand Kokosplantagen erstrecken, das für Rinder gerodete Hinterland vor sich hin erodiert und helvetische Entwicklungshelferinnen die Bevölkerung an ihrem Wissen über den Anbau von Kakao, Kautschuk und Ananas teilhaben lassen, logieren die Referenten im unberührten Regenwald. Hier treffen sie dank einer kletterkundigen Studentin auf das Kragenfaultier (Bradypus torquatus). In dessen ungepflegtem Fell siedeln sich Algen an, die von den Raupen eines Zünslers (Pyralidae) gefressen werden. Als weitere Säuger trifft man die zu den Nabelschweinen (Tajassuidae) gehörenden Pekaris, ferner auch grosse meerschweinchenartige Nager (Cavioidea) wie ein nachtaktiver Paka (Cuniculus paca) oder mehrere Wasserschweine (Hydrochoerus hydrochaeris). Später sehen wir Pinselohräffchen (Callithrix jacchus), einen Springaffen (Callicebus) und sogar den seltenen Gelbbrust-Kapuziner (Cebus apella xanthosternos). Selbst Wickelbär (Potos flavus) und Ozelot (Felis pardalis) kommen vor die Kamera.

Obschon angesichts der eher kühlen Jahreszeit erstaunlich wenige Insekten unterwegs sind, fehlen weder giftige Morpho-Raupen, Heliconia-Falter, bizarre Argiope-Spinnen, farbige Heu­schrecken, laute Zikaden noch riesige Prachtkäfer (Buprestidae). Hingegen lassen sich nur 2 Arten von Prachtbienen (Euglossini) locken. Wir sehen immerhin, wie ein Männchen an einer Orchidee nagend Duftstoffe sammelt, mit denen es später ein artspezifisches Parfum herstellen wird. Dieses dient allerdings nicht dazu, Weibchen anzulocken, wie man früher glaubte, sondern die Männchen locken sich damit gegenseitig an. So formieren sie sich allmählich zu einem grossen Schwarm über den Baumkronen, aus dem jedes anfliegende Weibchen ihren Wunschpartner auswählen kann. Währenddessen transportiert eine Blattschneiderameise (Atta) am Boden ein abgeschnittenes Blattstück ab. Auf diesem sitzt eine viel kleinere Nestgenossin, um zu verhindern, dass parasitische Fliegen unerwünschte Eier ablegen.

Auch Frösche zeigen sich wenige, fast nur Laubfrösche (Hyla) und Lemurenfrösche (Phyllomedusa), darunter allerdings äusserst schmucke. Leichter zu sehen sind hingegen Vögel, so auch Blaugraue Tangare (Thraupis episcopus), Weisskehl-Glanzvogel (Brachygalba albogularis), diverse Papageien und ein Organist (Euphonia).

Nach Exkursen in einen krabbenreichen Mangrovenwald und einen von Bromelien geprägten privaten Naturpark schlägt endlich die Stunde der Löwenäffchen. Als es ihnen in einer hohen Baumkrone zu heiss wird, steigen sie ohne Scheu herab und lassen sich widerstandslos ablichten.

            Ende der Sitzung: 2110 Uhr                                         der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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