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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 11. Februar 2005
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 63 Mitglieder und Gäste
Mitteilung: Als
neues Mitglied begrüssen wir Marion Schmid (Zürich) mit Applaus.
Entschuldigt: H. Thomas
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Walter Ettmüller: Lebensbilder aus der Käferwelt
Käfer (Coleoptera) sind bekanntlich die
artenreichste Insektenordnung. Offenbar schreckt das viele ab, sich mit dieser Gruppe intensiver zu beschäftigen. Umso wichtiger, weil ermutigend, sind deshalb so umfassend informierende
und vorbildlich illustrierte Vorträge wie der heutige.
Zu den Laufkäfern (Carabidae) gehören die Puppenräuber (Calosoma). Sie erbeuten aber weniger Puppen als Raupen und werden fast nur
bei einem Massenauftreten von letzteren gefunden. So trat auch der Grosse Puppenräuber (C. sycophanta) bei der Massenvermehrung des Schwammspinners (Lymantria dispar)
Anfang der Neunziger Jahre im Tessin vermehrt auf.
Als unser grösster Wasserkäfer gilt der Kolbenwasserkäfer (Hydrous piceus). In stehende, vegetationsreiche Gewässer legt das
Weibchen ein untergetaucht schwimmendes Eierschiff, von dem nur ein dornartiges Belüftungsrohr über die Wasseroberfläche ragt. Aus dem Schiffchen schlüpfen rund 30 räuberische Larven,
die mit ihren spezialisierten Mandibeln auch die härtesten Wasserschneckenhäuser aufbrechen. Zur Verpuppung kriecht die Larve genauso an Land wie die Larve eines Gelbrandkäfers (Dytiscus
marginalis). Anders als dieser lebt aber der adulte Kolbenwasserkäfer vegetarisch. Unter Wasser atmet er mitgenommene Luft, die an den filzigen Tomenthaaren seines Bauches haftet.
Ihrem Namen Ehre machen die Buntkäfer (Cleridae). Während aber z.B. der dreifarbige Ameisen-Buntkäfer (Thanasimus
formicarius) keine Ameisen, sondern Borkenkäfer (Scolytidae) frisst, legt der schwarz-rot gefärbte Zottige Bienenkäfer (Trichodes
alvearius) seine Eier vorzugsweise an Nistbauten von Wildbienen ab. Eine geschlüpfte Larve frisst
dann jeweils hintereinander mehrere Brutkammern leer, bis sie sich in einer verpuppt.
Berühmt durch ihren komplexen Entwicklungszyklus sind die flugunfähigen, zu den Ölkäfern (Meloidae) gehörenden Maiwürmer (Meloe).
Der aufgetriebene Hinterleib eines Weibchens fasst bis zu 40'000 Eier. Diese Vielzahl ist nötig, um die riskante Lebensweise der daraus schlüpfenden, lausähnlichen Primärlarven (Triungulini)
auszugleichen. Ein solcher Triungulinus (“Dreiklauer“) heftet sich nämlich in einer Blüte wartend an jedes anfliegende Insekt. Nur wenn dieses aber zufälligerweise eine solitäre Biene (Apidae)
ist, kommt er ans bevorzugte Ziel, in deren Brutzelle. Dort frisst der Triungulinus das grosse Bienenei, häutet sich zur madenartigen Sekundärlarve und verzehrt den Honigvorrat. Dann
verlässt diese die Bienenzelle und häutet sich im Boden zu einer überwinternden Scheinpuppe. In dieser verharrend häutet sich das Tier im späten Frühling zum engerlingförmigen, noch
immer ruhenden, vierten Larvenstadium. Nach 4-5 Wochen verpuppt sich dieses, so dass der fertige Käfer schliesslich erst im August erscheint.
An einen lang gestreckten Marienkäfer (Coccinellidae) erinnert der indes zu den Blattkäfern (Chrysomelidae) gehörende Ameisen-Sackkäfer (Clytra
laeviscula). Seine tannzapfenförmigen Eier werden von Waldameisen (z.B. Formica rufa) eingetragen. In deren Haufen schlüpfen die Larven, wenn auch unvollständig. Sie bauen die
schützende Eihülle im Laufe ihres Wachstums nämlich zu einem Sack aus, der stets den grössten Teil ihres Körpers bedeckt hält, ähnlich wie bei einer Köcherfliegenlarve (Trichoptera). Die
Ameisen aber verwechseln so einen Sack mit ihren Puppen. So können sich Sacklarven ungestört von Abfällen und Ameiseneiern ernähren.
Einer unserer seltensten Bockkäfer (Cerambycidae), ja Käfer überhaupt, ist der bläulich gefärbte Erdbock (Dorcadion fuliginator).
Er wurde in der Schweiz bisher nur an drei Stellen (Allschwil, Basel, SH) gefunden. Seine Larven fressen an Wurzeln von Krautpflanzen.
Zu den weiteren, nicht minder interessanten der vorgestellten Käfer gehören Schnellkäfer (Elateridae), Prachtkäfer (Buprestidae),
Feuerkäfer (Pyrochroidae), Walker (Polyphylla fullo), Lilienhähnchen (Lilioceris lilii), Rüsselkäfer (Curculionidae) und Alpenbock (Rosalia alpina).
Ende der Sitzung: 2125
Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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