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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 16. Dezember 2005
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 59 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: D. Bolt, S. Kohl
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Jakob Forster:
Lebensbilder aus der Ameisenwelt
Ameisen sind oft auffällige Tiere, die
selbst Laien in Erstaunen setzen können, sei es etwa mit Blattlaushege oder grossen Nesthügeln bei Waldameisen (sog. "Formica rufa-Gruppe").
Der didaktisch ausgefuchste Referent bringt nun drei mit treffendem Bildmaterial illustrierte Fallbeispiele (Rossameisen, Bläulingsraupen
hegende Ameisen, Amazonen) von denen jedes auch mit sensationellen Filmsequenzen abgerundet wird.
Im Pfynwald (VS) begegnen wir Arbeiterinnen einer unserer beiden grössten einheimischen Ameisen, nämlich der Rossameise Camponotus
ligniperda, wie sie im Holz von gelagerten Baumstämmen minieren. Gegen 17 Uhr besuchen wir ein anderes Nest derselben Art. Massen von geflügelten ¢¢
treten aus und sammeln sich zum Hochzeitsflug. Wenig später kommen auch unbegattete junge Königinnen hervor. Da sich diese Vorgänge auch in anderen benachbarten Kolonien derselben Art
abspielen, ist der Himmel bald grau vor lauter Ameisen. Nach weiteren 5 min ist er sogar schwarz, nun aber vor lauter hungrigen Schwalben und Seglern.
In Costa Rica reisen wir zur Laguna del Arenal, wo man bei der Abholzung immerhin eine Parklandschaft von Baumriesen hat stehen lassen.
So sind dort noch immer riesige, Kubik-Aren grosse Nester der Blattschneiderameise Atta cephalotes zu finden. Vom Nest gehen mehrere vegetationsfrei gehaltene Strassen zu
benachbarten Bäumen ab. Auf diese steigen Millionen von Arbeiterinnen, um mit ihren Mandibeln rundliche Stücke aus den Blättern heraus zu schneiden und sie dann ins Nest zu tragen. Dort
werden die Blattstücke zerkaut und in speziellen Kammern als Substrat einem Pilz angeboten, von dessen Köpfchen sich die Ameisen ausschliesslich ernähren. Jede Blattschneiderameisenart
hat ihre eigene Pilzart, aber keine davon könnte sich in freier Natur ausserhalb eines Ameisennestes durchsetzen. Es handelt sich also um echte Kulturpilze!
In Winterthur besichtigen wir die Kiesgrube Eichholz, wo Hornklee (Lotus corniculatus) und Weisser Honigklee (Melilotus alba)
wachsen. An diese Blüten halten sich die individuell grün oder braun gefärbten, asselartig sich fortbewegenden Raupen des Idasbläulings (Lycaeides idas). Da sie am hinteren
Rückenbereich über paarige Tentakel (mit Borstenkranz) und vor allem Honigdrüsen verfügen, sind sie stets von Ameisen aus der cinerea-Gruppe – so im Kt. ZH von Formica
fuscocinerea – umschwärmt. Dadurch sind die Raupen von Schlupfwespen u.a. Parasiten geschützt, nicht aber vor grösseren Raubfeinden wie etwa der Feldwespe Polistes dominulus.
Eine andere von Ameisen besuchte Raupe ist die gut getarnte des Grünblauen Bläulings (Agrodiaetus damon), die der Referent bei
Leuk und Jeizinen (VS) an Esparsetten (Onobrychis viciifolia) offenbar zusammen mit einer Rossameisenart (Camponotus) fand.
Bei Zeneggen (VS) beobachtet der Referent schon seit 30 Jahren die sklavenjagende, mit säbelförmigen Mandibeln ausgestattete
Amazonenameise (Polyergus rufescens). Bei günstigem Wetter kann man im Juli und August täglich Raubzüge beobachten, die dort erst ab 17 Uhr beginnen und Nestern von Arten aus der
sog. Serviformica-Gruppe gelten, meistens Formica cunicularia, F. rufibarbis oder F. fusca. Unvermittelt quellen dann bis zu 1500 Amazonen aus der
unauffälligen Nestöffnung in einer Magerwiese heraus. Bald folgen sie einer geradlinigen Duftspur, die zuvor eine Kundschafterin bei ihrer Rückkehr von einem ausspionierten Nest legte.
Die Räuberschar bildet einen vielleicht 1.5 m langen, nur ganz wenige cm schmalen Zug, der nach 45 m beim angepeilten Nest eintrifft. Die Amazonen versuchen sofort einzudringen, Puppen
sowie grössere Larven zu packen und diese sogleich heim zu tragen. Dabei töten sie nur, wenn angegriffen. Aus den geraubten Puppen schlüpfen im Amazonennest bald die Sklavinnen. Im
Gegensatz zu menschlichen Sklaven verrichten sie ihre Arbeit aber freiwillig, da es ihnen nicht bewusst ist, sich in einem artfremden Nest zu befinden. Auch stören sie sich nicht daran,
dass die Amazonen - ausser pro Jahr bis zu 40'000 Sklaven zu rauben - so gut wie nichts tun.
Ende der Sitzung: 2125
Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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