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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 02. Dezember 2005
Vorsitz:
Claude Meier
Anwesend: 55 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt:
M. Buschor, H. Günthart, U. Kloter, W.
Sauter, J. Walter
Mitteilung: Wir begrüssen als
neue Mitglieder Adrienne Frei und Markus Haab mit Applaus
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Dr. Verena Lubini:
Wasserinsekten im Natur- und Gewässerschutz – ein Blick in die
Praxis
Der Abend beginnt mit einem doppelt
denkwürdigen Apéro. Dieser ist nämlich nicht nur perfekt angerichtet von der
diesmal 5-köpfig angetretenen Familie Hättenschwiler, sondern auch der 10.
seiner Art! Dankbar gedenken wir bei dieser Gelegenheit dem verdienten
Initianten dieses Anlasses, unserem unvergessenen Mitglied Clemens Rimoldi
(1920 – 2002).
Die Referentin scheut sich
nun aber nicht, uns nach diesem überaus erfreulichen Auftakt in die harte
Wirklichkeit zurück zu führen, indem sie uns mit schonungslosen Bildern den
beklagenswerten Zustand der einheimischen Gewässer vor Augen führt.
Am ehesten würde man bei
uns naturbelassene Gewässer in Form von Quellen in den Alpen oder im Jura
erwarten. Doch selbst dort sprudeln nur noch wenige Quellen so unbehelligt
wie diejenige der Sarine (Saane). Andere sind – nicht anders als Quellen im
Mittelland - längst eingefasst, diejenige der Birs sogar mit einem richtigen
Haus! Dabei handelt es sich bei Quellfluren um unersetzliche Lebensräume mit
sehr charakteristischen Lebensgemeinschaften. Aus dem Grundwasser stossen
winzige Müschelchen und Kleinkrebse auf, bei überrieselten Felsen am
Quellrande (sog. hydropetrische Lebensräume) tummeln sich spezialisierte
Zweiflügler (Diptera) und Köcherfliegen (Trichoptera). Als dekorativste
Köcherfliege wäre dabei aus Tessiner Quellfluren Helicopsyche sperata
zu nennen, da ihre Larven schneckenhausförmige Köcher bauen.
Schlimm ist es auch mit den
Alpenbächen und –flüssen bestellt, da es allenthalben von Staumauern
wimmelt. Unterhalb derselben fliesst nur zu oft kaum mehr Wasser, wie z.B.
im Bergell. Etwas mehr Restwasser ist dem Spöl zugestanden, doch nicht
genug, um ganzjährig eine reichhaltige Fliessgewässerfauna zu ermöglichen,
obwohl dieser Bach doch durch den Nationalpark fliesst. Weitere strukturelle
Probleme, mit denen Fliessgewässer und ihre Fauna im ganzen Land zu kämpfen
haben sind Wildbachverbauungen (Allmend Brunau), Kiesabbau (Inn, Ticino) und
Flusskraftwerke (Rheinfelden). Schlimmer noch für die Fauna sind
begradigende Uferverbauungen wie etwa bei Limmat, Töss, Emme und Hornbach.
Damit aber nicht genug, denn in manchen Gegenden – so z.B. im Weinland oder
in Städten – sind mittlerweile die meisten Bäche eingedolt und somit
verschwunden. Nur wenige Flussabschnitte sind bei uns noch so natürlich wie
die Rhäzünser Rheinauen (Hinterrhein) oder gar der Rom, Hauptfluss des
Münstertales.
Nicht nur die Struktur der
Gewässer, auch deren Wasserqualität lässt immer noch zu wünschen übrig.
Ungeklärte, mitunter sogar giftige Abwässer gelangen so oft direkt oder im
Zuge einer Hochwasserentlastung in unsere Fliessgewässer, dass es allein im
Kt. Zürich jährlich zu 50 – 80 Fischsterben kommt! Angesichts all dieser
Probleme struktureller und qualitativer Art verwundert es uns kaum mehr,
dass bei uns schon manche aquatische Tierart ausgestorben ist, wie z.B. die
Eintagsfliege (Ephemeroptera) namens Uferaas (Ephoron virgo).
Seit 1991 haben wir nun ein
neues Gesetz zum Schutz der Gewässer, seit 1998 auch eine Verordnung, die
ökologische Ziele formuliert. Viel hat sich seither allerdings noch nicht
verändert. Oft fehlt es heute namentlich im Mittelland nur schon an
unbesiedeltem Platz, um wesentliche Verbesserungen erreichen zu können. Wo
man trotzdem die Möglichkeit hat, etwas zu erreichen, gilt es im Sinne von
Argumentationshilfen und Erfolgskontrollen stets auch, die lokale Fauna der
Gewässerinsekten vor und nach dem Eingriff zu untersuchen. Dabei muss die
entsprechende Person insgesamt rund 500 Arten von in Frage kommenden
Steinfliegen (Plecoptera), Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Wasserkäfer
kennen.
Einige Fallbeispiele aus
dem Alltag der Gewässerbiologin runden den anregenden Abend ab.
Ende der Sitzung:
2130 Uhr der Aktuar:
Rainer Neumeyer
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