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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 27. Oktober 2006
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 48 Mitglieder und Gäste
Mitteilung: Als neue Mitglieder begrüssen wir
Rosemary Bernhard, M. Burri, E. Day, Christine Dobler-Gross, H. Gehrig, S. Gerber, Sonja Hauenstein, Annelies Kloter, P. Kneidl, Diane Platter, J. Sommerhalder, T. Stettler, R. Tanner
Entschuldigt: M. Burri, H. Cigler, E. Hartmeier, Ruth Hättenschwiler, Sonja
Kägi, Annelies Kloter, Isabelle Landau
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Thomas Marent: Geheimnisse des Regenwaldes
Als Berufsfotograf mit einer ausgeprägten Vorliebe für
tropische Lebensräume zeigt uns der Referent eine repräsentative Werkschau aus unzähligen Reisen, die er in den letzten 16 Jahren in die Regenwälder Lateinamerikas, Indonesiens,
Neuguineas und Australiens unternahm. Aus der überwältigenden Vielfalt an Formen, Farben, aber auch Arten, die einem dabei zwangsläufig begegnet, wählt er für unser Publikum nebst
beeindruckenden Landschaftsbildern vor allem Aufnahmen von Schmetterlingen, Käfern, Zikaden, Wanzen, Heu- und Fangschrecken, Spinnen, aber auch Fröschen, Vögeln, einigen Schlangen und
Echsen, sowie auffälligen Blüten und Pilzen.
Was diesen Regenwaldvortrag vor anderen auszeichnet ist der technische
und vor allem künstlerische Anspruch der eindrücklichen Bilder, die der bescheiden auftretende Referent nur sparsam kommentiert und somit weitgehend für sich sprechen lässt. Wie jeder
Künstler hat auch Thomas Marent seinen unverwechselbaren Stil, der sich uns vielleicht am besten in denjenigen Aufnahmen offenbart, wo fliessendes Wasser zu sehen ist. Dank verwegen
langen Belichtungszeiten sieht dieses nämlich aus wie nebeldampfende Watte, die auf Bach- und Flussbetten liegt. Erstaunlicherweise sind in solch kühnen Aufnahmen aber die Pflanzen stets
ziemlich scharf, wohl weil in Regenwäldern oft kaum ein Lüftchen bläst.
Besonders geheimnisvoll wirken die Tafelberge (Tepuis) im Grenzgebiet
zwischen Brasilien und (ehemals britisch) Guyana. Umgeben von Regenwald (Guyana) und Savanne (Venezuela) ragen sie so steil empor, dass ihre bis zu rund 2000 m hoch gelegenen Plateaux
jeweils fast unzugänglich wirken. Sie sind – wohl wegen ihres ausgewaschenen Bodens – überraschend kahl, aber trotzdem reich an endemischen Lebensformen.
Auf der kolumbianischen Isla Gorgona werden wir Zeuge, wie ein
eingeschleppter Basilisk (Basiliscus) eine endemische, auffällig blau gefärbte Saumfinger-Echse (Anolis gorgonae) verspeist. Der Vorgang ist leider symptomatisch.
Beiläufig erwähnt wird auch die im amazonischen Becken lebende
Vogelspinne Xenesthis immanis, die ihre Wohnhöhle oft symbiontisch mit dem kleinen, unauffällig gefärbten Engmaulfrosch (Microhylidae) Chiasmocleis ventrimaculata teilt.
Die sehr grosse Spinne verschont den Frosch, welcher im Gegenzug unter ihrem Schutz Spinneneierparasiten wegfängt.
In einem Nebelwald Costa Ricas zeigt sich ein männlicher Quetzal (Pharomachrus
mocinno) in der ganzen Länge seiner Schwanzfedern, die beim Balzflug hinter ihm her zu schlängeln scheinen. Aus diesem Grunde ordneten die Atzteken (in Mexiko) diesen zu den
Trogonidae gehörendenVogel ihrem Gott Quetzalcoatl (= gefiederte Schlange) zu.
Auf Borneo (Indonesien) stossen wir auf die gigantische, im Durchmesser
über 1 m messende Blüte einer Rafflesia. Pflanzen dieser Gattung leben unterirdisch und myzelartig an artfremden Wurzeln parasitierend, ohne oberirdische grüne Sprosse
auszubilden. Nur alle paar Jahre stösst eine Knospe an die Oberfläche und auch nur um knapp eine Woche lang aufzublühen. In dieser kurzen Zeit werden als Bestäuber Fliegen und Aaskäfer
angelockt.
Sensationelle Aufnahmen von einem Gleitbeutler (Petaurus) aus
Papua-Neuguinea runden den bunten Abend ab.
Ende der Sitzung: ca. 2100
Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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