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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 04. Dezember 2004
Vorsitz: Verena Lubini
Anwesend: 47 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: C. Meier
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Bernhard Merz: Neue Geschichten aus der Wunderwelt der Fliegen
Einmal mehr gelingt es der Familie Hättenschwiler, den
traditionellen Apéro zu einem stimmungsvollen Ereignis zu gestalten. Dieses findet dann mit einem vor Witz wie vor Wissen gleichermassen sprühenden Vortrag unseres ehemaligen Präsidenten
eine würdige Fortsetzung auf höchstem Niveau.
Die Familie der
Periscelididae (=“Periscelidae“) enthält auch eine erst 1900 entdeckte Gattung (Stenomicra) von winzigen Fliegen, deren Flügel stets kürzer als 2 mm sind. Mittlerweile sind von
dieser Gattung 20 Arten beschrieben, von denen jedoch in Europa nur 3 vorkommen. Eine einzige Art (Stenomicra delicata) war bisher auch aus der Schweiz gemeldet. Man nimmt aber
an, dass weltweit mehrere 100 Arten noch ihrer Beschreibung harren. Diese Fliegen sind nämlich schwierig zu finden, da sie die Büschel der Seggen (Carex), die sie offenbar
bewohnen, freiwillig kaum zu verlassen scheinen. Als beste Sammelmethode erwies es sich deshalb, Seggenbüschel auszureissen und wiederholt so auf den Netzbügel zu schlagen (“tussocking“),
dass allenfalls vorhandene Fliegen der Gattung Stenomicra dabei ins Fangnetz fallen. Diese Methode wandte der Referent am 18.5.2004 in Jussy (GE) erstmals an und fand so gleich
eine Art, die nicht dieselbe ist wie die in Schweizer Sammlungen als “Stenomicra delicata“ etikettierte. Was der Referent in Jussy fand, stellte sich im Vergleich mit
Typusexemplaren aus England trotzdem als Stenomicra delicata heraus. Hingegen erwiesen sich die zuvor in der Schweiz gesammelten Tiere folgerichtig als neue Art, die der Referent
inzwischen als Stenomicra soniae neu beschrieben hat.
Stenomicra
delicata scheint nie zu fliegen, fällt aber auf, wenn sie auf senkrechten Flächen nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts und seitwärts
schreitet und zwar stets mit nach oben gerichtetem Kopf. Das Geschlechterverhältnis beträgt 1:1. Bei Stenomicra soniae dagegen kommt auf 7
f nur 1 m.
Diese Art kann fliegen und ist in Mitteleuropa bis nach Bulgarien verbreitet.
In der Folge
stellt uns der Referent nacheinander einige weitere ungewöhnliche Fliegen vor, darunter auch die mit bizarr brauenartigen Borsten ausgestattete Fruchtfliege (Tephritidae) Cornutrypeta
superciliata. Die seltene Art ist einerseits in Skandinavien und im benachbarten Russland verbreitet, andererseits auch isoliert in einem tschechischen Gebirge namens Sumava.
Zurückgebildete
Mundwerkzeuge lassen den Kopf von Vertreterinnen der artenarmen Gattung Ramuliseta (Familie Ctenostylidae) im Profil seltsam aussehen. So auch bei der bis vor kurzem einzigen
bekannten einheimischen Art R. lindneri, bei der die Imagines (adulten Tiere) keine Nahrung mehr aufnehmen und keine Eier legen, sondern bereits geschlüpfte Larven gebären,
ähnlich den Fleischfliegen (Sarcophagidae). Dem Referenten gelang es nun kürzlich, in der Schweiz eine weitere, noch unbeschriebene Ramuliseta zu finden.
Ungleich häufiger
als die bisher vorgestellten Arten kann bei uns die Halmfliege (Chloropidae) Thaumatomyia notata auftreten. Während ihre Larven sich von Schildläusen (Coccoidea) ernähren, fliegen
die Imagines gerne in Massen an warme Orte, so auch auf besonnte Fensterbretter. Dabei geraten sie nicht selten auch ins Innere von Häusern, wo sie aber als blosse Lästlinge zugrunde
gehen, ohne weiteren Schaden anzurichten.
Von den 10 Arten
der Gattung Camilla (Camillidae) sind nicht zuletzt dank der unermüdlichen Sammeltätigkeit unseres Referenten nunmehr 3 auch aus der Schweiz bekannt. Man sammelt diese
unauffälligen, lediglich 1-2 mm kleinen Tiere ja nicht oft. Anlässlich unserer Exkursion nach Jeizinen (Gampel, VS) 1999 gelang es dem Referenten aber, gleich 10 Individuen von
Camilla glabra über dem staubigen Boden unter einem Gaden zu fangen. Eine weitere Art, nämlich Camilla atrimana, ging ihm bei Genf ins Netz.
Bei den
Waldbodenfliegen (Lauxaniidae) fasste man in Europa bis vor kurzem 6 kleine, gelbliche Arten zur sogenannten “Homoneura consobrina-Gruppe“ zusammen. Aus dieser Artengruppe
revidierte der Referent dann 200 Exemplare aus europäischen Museen. Dabei stellte sich heraus, dass zwei Arten (Homoneura thalhammeri, H. kortzasi) eingezogen und neu zu
Sapromyza consobrina gestellt werden müssen. Damit verbleiben aus der Gruppe noch Sapromyza patelliformis, Homoneura ericpoli und H. chelis. Zusätzlich beschrieb
der Referent aus Anatolien und Israel Homoneura israelis n. sp.
Ende der Sitzung: 2055
Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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