Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Sabine Rocker:  Kleintiere in Ried-Rotationsbrachen

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 15. Dezember 2006
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      44 Mitglieder und Gäste

Mitteilung:       Als neue Mitglieder dürfen wir Dorit Conle, Markus Hohl und Karl Hirt begrüssen.

Entschuldigt:    H. Cigler, Sonja Hauenstein
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Sabine Rocker: Kleintiere in Ried-Rotationsbrachen

 

Als Streu(e)wiesen gelten ungedüngte und somit nährstoffarme Feuchtwiesen, die nur einmal im Jahr ab September gemäht werden, wobei das anfallende Schnittgut als Einstreu (Stroh i.w.S.) in Ställen verwendet wird.

Früher waren Streuwiesenlandschaften bei uns parzelliert in kleine Flächen von 0.2 bis 0.6 ha, die nicht alle am selben Tag gemäht wurden. So konnten sich Kleintiere von gemähten, deckungslos gewordenen Kleinflächen problemlos in noch ungemähte Nachbarflächen flüchten. Als auch diese gemäht wurden, hatte sich die Vegetation in den bereits geschnittenen Parzellen wieder etwas erholt und überdies blieben stets gewisse Grenzstrukturen stehen (Büsche, Zaunfluren, etc.). Heute hingegen sind die Parzellen 1.5 bis 2.6 ha gross und werden normalerweise alle am 1. oder 15. September gemäht, was die Kleintierfauna jedesmal schwer belastet.

Andererseits kann die Landschaftsform der Streuwiese mitsamt ihren kleinwüchsigen oligotrophen Pflanzenarten (z.B. Enziane, Orchideen) und gefährdeten Vögeln (z.B. Bekassine, Grosser Brachvogel) nur durch eine regelmässige Mahd erhalten werden, da die entsprechenden Flächen sich sonst zu Hochstaudenfluren oder auch zu Buschlandschaften bis hin zu Auenwäldern entwickeln würden. Angesichts dieses Dilemmas prüfte die Referentin, wie sich 300 bis 500 m2 grosse, einjährige und in einem Zyklus von 3-5 Jahren rotierende Brachstreifen in drei Streuwiesenlandschaften (Reusstal, Greifensee, Schmerikon) auf die Kleintierfauna auswirken. Diese wurde während zweier Jahre (2004, 2005) jeweils von März bis Juni/Juli mit Hilfe von Emergenzfallen (Ø 0.25 m2) gesammelt.

75% der gesammelten Tiere waren Fliegen und Mücken (Diptera). Ausgewertet wurden aber vor allem Zikaden (Hemiptera: Cicadina), Wanzen (Hemiptera: Gymnocerata), Kurzflügler (Coleoptera: Staphylinidae) und Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae), sowie Spinnen (Araneae).

In den Brachstreifen fanden sich pro Flächeneinheit nur bei Käfern, Wanzen und Hautflüglern (Hymenoptera), nicht aber generell mehr Individuen als in den Streuwiesenflächen. Die beiden Biotope hatten allerdings unterschiedliche Kleintierfaunen. Namentlich bei Zikaden, Wanzen, Käfern und Spinnen waren es vor allem die Biotop- und Nahrungsspezialisten, welche in den Brachstreifen dominierten. Zu nennen wären beispielsweise Glasflügelzikaden (Cixiidae), Bodenwanzen (Lygaeidae) oder Radnetzspinnen (Araneidae). So gesehen bestätigte sich immerhin die Erwartung, dass Brachstreifen die Biodiversität der Landschaft erhöhen.

So interessant und aufschlussreich der faunistische Vergleich zwischen Brachstreifen und Streuwiesen auch ist, in einer zukünftigen Untersuchung sollte vielleicht noch mehr Gewicht auf einen Vergleich zwischen Streuwiesen ohne Brachstreifen und solchen mit Brachstreifen gelegt werden. Im Fokus der Forschung wäre dann weniger die spezifische Brachstreifenfauna als vielmehr die Qualität der Streuwiesenfauna.

Es wurden auch floristische Vergleiche angestellt, wobei sich – nicht ganz unerwartet – zeigte, dass Brachstreifen niedrige Rosettenpflanzen, Orchideen und Schwertlilien hemmen, Hochstauden  sowie hochwüchsige Seggen und Gräser aber fördern. Deshalb werden Brachstreifen nur noch für grossflächige Streuwiesen ohne empfindliche Orchideen und expansive Neophyten (z.B. kanadische Goldrute) empfohlen.

Schliesslich machte eine Umfrage unter Landwirten deutlich, dass diese von Brachstreifen auch einen wirtschaftlichen Nutzen erwarten.

  Ende der Sitzung: 2105 Uhr                             der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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