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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 10. November 2006
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 56 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: W. Bohren, D. Bolt, Sonja Hauenstein, H. Thomas, H. Wildermuth
Mitteilung: Als neues Mitglied begrüssen wir Werner Sauter mit Applaus
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Christian Roesti: Heuschrecken der
Schweiz
Unter "Heuschrecken" verstehen wir hier
die Ordnung Geradflügler (Orthoptera) mit ihren zwei Unterordnungen Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera).
Langfühlerschrecken besitzen mehr als 30 Fühlerglieder und zirpen in der Regel, indem sie ihre Vorderflügel aneinander reiben. Bei
einigen Vertretern, wie etwa der Vierpunktigen Sichelschrecke (Phaneroptera nana) können auch Weibchen zirpen. Zur Paarung schlüpft das Männchen unter das sich hochbeinig
stellende Weibchen. Diese Stellung ermöglicht es dem weiblichen Weinhähnchen (Oecanthus pellucens), beim Männchen an einer Duftdrüse zu lecken. Zur Eiablage bedienen sich die
Weibchen der meisten Familien ihrer Legeröhre.
Kurzfühlerschrecken haben Fühler mit weniger als 30 Gliedern und zirpen bei uns in den meisten Fällen, indem sie die Hinterbeine an die
Vorderflügel reiben. Bei der Paarung – die bis zu 20 Minuten lang dauern kann – wird das Weibchen vom Männchen bestiegen. Die Eier werden vom Weibchen mit Hilfe von speziellen Werkzeugen
am Hinterleibsende im Boden vergraben.
Grillen (Gryllidae) sind eine Familie der Langfühlerschrecken, aber charakterisiert durch ihre lanzettförmige Legeröhre und ihre breite
Körperform. Geradezu walzenförmig sind in dieser Hinsicht die nichtsdestotrotz flugfähigen Maulwurfsgrillen (Gryllotalpidae), deren Legeröhre allerdings reduziert ist. Ihre Eier legen
sie in faustgrosse Brutkammern ab, die sie hüten und wo sie die geschlüpften Larven (Nymphen) sogar füttern!
Bei den Dornschrecken (Tetrigidae) ist das Halsschild (Pronotum) extrem verlängert, die Vorderflügel hingegen sind zu Flügelschuppen
reduziert. Die Tiere überwintern als Nymphen.
Gewisse Arten reagieren schnell auf klimatische Schwankungen, so auch die Grüne Strandschrecke (Aiolopus thalassinus), die in den
90er Jahren noch selten war, sich im Hitzesommer 2003 aber stark vermehrte und bis 2005 namentlich im Südtessin (Sottoceneri) recht häufig auftrat. Bereits dieses Jahr sind die Bestände
aber wieder merklich zurück gegangen.
Auch bei Heuschrecken gibt es schwierig voneinander zu unterscheidende Zwillingsarten, wie zum Beispiel die hauptsächlich nördlich des
Alpenkammes verbreitete Laubholz-Säbelschrecke (Barbitistes serricauda) und die Südliche Säbelschrecke (Barbitistes obtusus). Die beiden Arten kommen bei uns nicht in der
selben Region vor – d.h. sie vikariieren – ausser im Münstertal (GR).
Die Sägeschrecke (Saga pedo) kommt bei uns disjunkt nur beim Rhoneknie (VS), am Genfersee (VD) und im Calandagebiet (GR) vor.
Bislang waren aus der Schweiz nur parthenogenetisch sich fortpflanzende Weibchen bekannt. Erst kürzlich gelang es bei Les Follatères (VS, Fully), ein Männchen nachzuweisen. Ferner sehen
wir auf einer überaus gelungenen Aufnahme, wie eine Sägeschrecke trotz ihrer gegenüber Menschen unglaublich wirksamen Tarnung es offenbar nicht verhindern konnte, von einem Rötelfalken (Falco
naumanni) erbeutet zu werden.
Wir erfahren interessante Einzelheiten über Methoden, wie man Heuschrecken individuell markieren kann. Bewährt hat sich bei Feldarbeiten
des Referenten eine Kombination von (maximal 4) Farbpunkten auf dem Pronotum mit einer Licht reflektierenden Folie an der Aussenseite des hinteren Femurs. Dank der Folie sind die Tiere
auch nachts aufzufinden.
Nach diesem rundum vorbildlichen Vortrag haben die meisten von uns nur noch einen Wunsch: das vielversprechende Buch (Baur, Baur, Roesti
& Roesti, 2006: Die Heuschrecken der Schweiz. Haupt) zu kaufen, das der Referent als Coautor mitverfasste.
Ende der Sitzung: 2100 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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