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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 11. März 2005
Vorsitz:
Claude Meier
Anwesend: 42 Mitglieder und Gäste
Mitteilung: Als neue Mitglieder
begrüssen wir Hermann Blöchlinger (TG), Ulrich Bringolf (SH) und Claudio
Koller (ZH).
Entschuldigt: K. Grimm, W. Sauter
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Dr. Florian Schiestl: Anlockung
von Bestäubern und Evolution bei Orchideen
Tierbestäubte (zoogame) Blütenpflanzen
verfügen über die auffälligsten Blüten, was Form, Farbe und Duft betrifft,
denn sie möchten damit Bestäuber anlocken. Als solche sind in der Mehrzahl
der Fälle Insekten erwünscht, darunter sehr oft Hautflügler (Hymenoptera).
Normalerweise werden diese von den Blüten mit Nektar entlöhnt, so auch bei
Orchideen (Orchidaceae). Gerade bei dieser Familie existieren aber Arten,
namentlich bei der Gattung der Sonnenorchideen (Thelymitra), die ihre
Bestäuber täuschen, indem ihre Blüten Nektar zwar versprechen, jedoch nicht
anbieten. Wieder andere Orchideenblüten sind Sexualtäuscher, denn sie locken
männliche Stechimmen (Aculeata) an, indem sie aussehen und riechen wie die
von ihnen begehrten Weibchen.
Zu den bekanntesten
Sexualtäuschblumen gehören die europäischen Ragwurze (Ophrys), wobei
die einzelnen Arten normalerweise nur Männchen einer einzigen Stechimmenart
anlocken. So wird etwa die Spinnenragwurz (Ophrys sphegodes) von der
Sandbiene Andrena nigroaenea angeflogen, die Spiegelragwurz (Ophrys
speculum) aber von der Dolchwespe (Scoliidae) Campsoscolia ciliata.
Die betreffenden Männchen versuchen dann mit der Blüte zu kopulieren.
Während diesen vergeblichen Bemühungen (Pseudokopulationen) handeln sie sich
oft Pollinien (Pollenträger) ein, die ihnen hörnchenartig an der Stirn
kleben bleiben. Damit bestäuben sie dann die als nächste besuchte(n) Blüte(n).
Näher untersucht und
miteinander verglichen hat der Referent nun die Verhältnisse zwischen
Ophrys sphegodes und Andrena nigroaenea, zwischen Ophrys
exaltata und der Seidenbiene Colletes cunicularius, sowie
zwischen der australischen Orchidee Chiloglottis trapeziformis und
ihrem Bestäuber, der Rollwespe (Tiphiidae) Neozeleboria cryptoides.
Bemerkenswert ist zunächst
allein schon die Paarungsbiologie der zur Unterfamilie Thynninae gehörenden
Neozeleboria cryptoides. Das flügellose, auf einem Halm wartende
Weibchen lockt das geflügelte Männchen mit einem spezifischen Duftstoff
(Sexualpheromon) an, bis es von diesem gepackt und im Flug fortgetragen
wird. Fliegend kopulieren sie und das Paar besucht sogar gemeinsam Blüten,
wo das Weibchen stets vom Männchen gefüttert wird. Nach einer angemessenen
Zeit wird das Weibchen dann an einem geeigneten Eiablageort wieder
abgesetzt.
Nicht weniger als 14
wirksame Duftstoffe enthält das weibliche Sexualpheromon von Andrena
nigroaenea. Bei Colletes cunicularius sind es genau dieselben
Stoffe, lediglich in einem anderen Mischungsverhältnis, was aber den
Unterschied ausmacht. Die Blüten der beiden Ragwurzarten (Ophrys
sphegodes bzw. O. exaltata) imitieren nun das bevorzugte
Mischungsverhältnis ihres spezifischen Bestäubers mit denselben 14
Duftstoffen.
Beim weiblichen
Sexualpheromon von Neozeleboria cryptoides ist nur ein einziger
Duftstoff wirksam, derselbe den auch die Blüte von Chiloglottis
trapeziformis verströmt und zwar offenbar sehr intensiv. Plaziert man
nämlich experimentell ein Weibchen von Neozeleboria cryptoides
inmitten eines Horstes von Chiloglottis trapeziformis, wird es von
seinen Männchen nicht mehr gefunden. Die Orchidee tritt also in Konkurrenz
zum Rollwespenweibchen und mindert damit letztlich seine Fitness. Die
Orchidee darf somit als Parasit der Rollwespe betrachtet werden.
Experimente an Männchen von
Colletes cunicularius zeigten, daß diese Weibchen aus fremden
Populationen solchen aus der eigenen Population vorziehen und zwar aufgrund
des jeweils leicht abweichenden Mischungsverhältnisses der wirksamen
Duftstoffe im Sexualpheromon. Gelingt es nun den Ragwurzen, den xenophilen
Tendenzen ihrer Bestäubermännchen entgegen zu kommen, sind sie für deren
Weibchen möglicherweise noch härtere Duftkonkurrenten, als dies
Chiloglottis-Blumen für Neozeleboria-Rollwespenweibchen je sein
können.
Ende der Sitzung:
2055 Uhr der Aktuar:
Rainer Neumeyer
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