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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 17. Dezember 2004
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 55 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: Franziska Heusser, Rainer Neumeyer, Heinrich Schiess, Jakob
Walter
Mitglied:
Mit Applaus wird Theo Altorfer als neues Mitglied der EGZ begrüsst.
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Emil Stierli, Claude Meier: Schmetterlingsforum Zürich – Artenschutzprogramm für bedrohte Schmetterlinge im Kanton Zürich
Das Schmetterlingsforum formierte sich 1988 aus der
Einsicht, dass in Sachen Tagfalter dringender Handlungsbedarf besteht. Bei der Fachstelle Naturschutz des Kt. Zürich konnte eine Inventarisierung angeregt werden. Im Rahmen des
kantonalen Naturschutzkonzepts sind u. a. auch 11 Tagfalterarten bezeichnet worden, die mit höchster Dringlichkeit gefördert werden sollen (mit artspezifischen Aktionsplänen). Neben den
Referenten sind zahlreiche weitere Fachleute und Stellen, Landwirte und Forstleute massgeblich an der Arbeit des Schmetterlingsforums beteiligt, v. a. David Jutzeler, Eugen Pleisch und
Heinrich Schiess.
Emil Stierli stellt drei der Projekte des Schmetterlingsforums vor:
1) Im Biotopkomplex zwischen Eglisau und Hüntwangen erfolgt eine Aufwertung der Lebensräume durch
Erweiterung der xerothermen Wiese am Waldrand (Gentner) mittels Ausholzen und Entbuschen, weiter durch Extensivierung der Bahnbörter nach Bauarbeiten, Anlage von Buntbrachen sowie von
extensiven Standorten im Bereich der Kiesgrube, die nach und nach aufgefüllt wird. Pflanzenvielfalt wird durch Direktbegrünung und gezielte Ansaat einzelner Arten erfolgreich gefördert.
Dabei werden insbesondere Futterpflanzen für hier wichtige Tagfalterarten ausgebracht: Hufeisenklee etwa für den Silbergrünen Lysandra coridon und den Himmelblauen Bläuling L.
bellargus, Wundklee für den Zwergbläuling Cupido minimus, Sonnenröschen für den Dunkelblauen Bläuling Aricia agestis. Auch der Grosse Schillerfalter Apatura iris,
der die lichten Waldbereiche schätzt, konnte unterdessen mehrmals beobachtet werden. Von den getroffenen Massnahmen profitieren nicht nur die genannten Falter, sondern zahlreiche weitere
Pflanzen- und Tierarten.
2) Weiach: Bei der Inventarisierung 1991 wurden in einem Rebberg 70 bis 80 Hainveilchenperlmutterfalter
Clossiana dia festgestellt. Dieser Hang ist unterdessen überbaut worden. Bei der Melioration konnten angrenzende Bereiche als Naturschutzflächen gewonnen werden. Auch hier wurden
magere Wiesenflächen durch Entbuschung und Ansaat im Zwischenraum vernetzt, Lesesteinhaufen und andere Kleinstrukturen angelegt und verschiedene Pflanzenarten gesät oder gesetzt – im
Hinblick auf Tagfalter beispielsweise Mittlerer Wegerich als Raupenfutter für den Westlichen Scheckenfalter Mellicta parthenoides.
3) Das Blauauge Minois dryas leben im Kanton Zürich noch gerade an zwei Stellen. Eine davon liegt
westlich von Kappel am Albis, wo in den letzten Jahren von einander getrennte Riedwiesen durch forstliche Auflichtung der dazwischen liegenden Wälder vernetzt worden sind, stellenweise
unterstützt durch Windwurf. Raupen des Blauauges sind auch in nicht besiedelte, aber günstig erscheinende Riedflächen gebracht worden, wo sie sich die Falter bislang gut halten konnten.
Ein im Landschaftsschutzgebiet unzulässiger Gerstenacker ist einer Wiese gewichen, in welche Streifen gefräst wurden, die mit artenreicher Samenmischung angesät worden sind.
Claude Meier zeigt anschliessend wie mittels Akitonsplänen der kantonalen Fachstelle Naturchutzbei der
Förderung von vier weiteren Arten vorgegangen wird: Die Raupen des "Idasbläuling" Lycaeides idas werden von Ameisen "gemolken" (Zuckersaft) und verteidigt – sogar Lepidopterologen
werden unsanft gebissen. In einer Kiesgrube bei Flaach, wo die Art früher vorkam und eine zur Symbiose geeignete Ameisenart vorhanden ist, sind 2003 etwa 80 Raupen ausgesetzt worden,
worauf sich die Art dort etablieren konnte. Für drei Arten bestehen bereits Aktionspläne (siehe www.naturschutz.zh.ch): Der Wald bewohnende Braune Eichenzipfelfalter Satyrium ilicis
braucht auch offene Stellen mit Jungeichen (wie er es früher in Mittelwäldern gefunden hat) und kommt im Kanton nur noch zwischen Rheinau und Marthalen vor. Skabiosen-Scheckenfalter
Eurodryas aurinia, deren Raupen sich im Herbst in einem Gespinst versammeln, leiden unter der schematischen, gleichzeitigen Mahd der meisten Riedflächen am 1. September, während der
ebenfalls nur noch im Tösstal und im Albisgebiet lebende Gelbringfalter Lopinga achine auf lichte Wälder angewiesen ist. In Zusammenarbeit mit Förstern werden nun im Tösstal
entsprechende, von der Fachstelle Naturschutz finanzierte Massnahmen umgesetzt.
Ende der Sitzung: 2130
Uhr für den Aktuar: Stefan Ineichen
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