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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 12. November 2004
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 50 Mitglieder und Gäste
Mitteilung:
Wir beklagen den unerwarteten Hinschied unseres allseits beliebten Mitgliedes
Albert Huber.
Entschuldigt:
U. Kloter, H. Thomas
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Erwin Schüpbach, Karin Loeffel & Daniel Bolt: Naturnetz Pfannenstil;
Vernetzung am Beispiel der Tagfalter
Eines der Projekte des Zweckverbandes „Zürcher
Planungsgruppe Pfannenstil“ (ZPP) nennt sich „Naturnetz Pfannenstil“ und wird geleitet von einem Landwirt (Ueli Dolder, Meilen), bearbeitet jedoch vom Agronomen Erwin Schüpbach,
Mitinhaber des Oekobüros „quadra“ und stolzer Ziegenhalter. Das Projekt läuft seit 1998 und beabsichtigt, Lebensräume in der Kulturlandschaft Pfannenstil (12 Gemeinden zw. Zürichsee und
Glattal) aufzuwerten und zu vernetzen. Damit möchte man die Vielfalt der in der Region typischen Flora und Fauna erhalten und sogar fördern. Ausgehend vom kantonalen
„Naturschutz-Gesamtkonzept“ stehen dabei vor allem Feuchtgebiete, insbesondere Stillgewässer, aber auch Hochstammobstgärten im Vordergrund. Es wurden aber auch schon Wälder ausgelichtet,
Wiesen angesät und Trockenmauern angelegt, wie uns der erste Referent (Schüpbach) sehr ausführlich erzählt. All diese Massnahmen („Umsetzungen“) konzentrieren sich einerseits auf
Landschaftskorridore, die gemäss regionalem Richtplan vorgegeben sind, andererseits aber auch auf Flächen, auf denen der Kanton aufgrund von Inventaren besondere Arten wie z.B. die
Schlingnatter (Coronella austriaca) schützen möchte.
Wie der Referent betont, beruht das Projekt „Naturnetz Pfannenstil“ auf Freiwilligkeit. „Anreiz statt
Zwang“ lautet das durchaus sympathische und zweifellos sehr zeitgemässe Motto. Es werden also nur dort Gestaltungs- oder Pflegemassnahmen vollzogen, wo es der betreffende Bauer auch
will. Ob gerade dort auch die besonders schützenswerten Arten vorkommen, bleibt so natürlich bis zu einem gewissen Grade dem Zufall überlassen. Immerhin wird versucht, den Willen der
Bauern mit finanziellen Anreizen sanft zu beeinflussen und zudem gibt es glücklicherweise auch Bauern, die ihre Verantwortung für gefährdete Arten von sich aus wahrnehmen wollen. Dies
seien vor allem die älteren Bauern, hebt der Referent (Schüpbach) lobend hervor. Wir von der EGZ hingegen können aus dieser Aussage – die nebenbei bemerkt nicht gerade das beste Licht
auf die zeitgenössischen Landwirtschaftsschulen wirft – immerhin den Trost ziehen, dass mitunter sogar Überalterung ihre positiven Aspekte haben kann.
Nach fast einer Stunde kommen wir zum eigentlichen Thema des Vortrages, nämlich einem lobenswerten
Vernetzungsprojekt für Tagfalter. Zwei Waldriede (Hinterguldenen, Wolfsgrueb) im Gebiet Hinterguldenen (Herrliberg) wurden vernetzt, indem man ab 2001 den dazwischen liegenden Wald
auslichtete und am Boden im Sinne einer „Direktbegrünung“ Ried-Schnittgut auslegte. Dadurch wollte man, wie die zweite Referentin (Loeffel) ausführte, für spezielle Tagfalter spezifische
Futterpflanzen fördern: Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum), Waldzwenke (Brachypodium sylvaticum), Waldsegge (Carex sylvatica), Kohldistel (Cirsium oleraceum),
Gemeiner Wasserdost (Eupatorium cannabinum), Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe), Waldknautie (Knautia dipsacifolia)
und Teufelsabbiss (Succisa pratensis). Im Jahre 2003 stellte dann eine Diplomandin (Kirsten Züger, Hochschule Wädenswil) alle erwähnten Pflanzenarten ausser der Fiederzwenke
tatsächlich fest.
Hauptsächlich 2001 und 2003, aber auch stichprobenweise 2004,
kartierte der dritte Referent (Bolt) in der Hinterguldenen
(incl. Korridor) sowie drei weiteren Waldrieden (Badholz, Unterschoos, Stollenwis) und Auslichtungsflächen in Herrliberg und Meilen Tagfalter. Seine besondere Aufmerksamkeit galt dabei 5
Zielarten: Milchfleck (Erebia ligea), Kleiner Moorbläuling (Maculinea alcon), Kaisermantel (Argynnis paphia), Violetter Silberfalter (Brenthis ino) und
Schachbrettfalter (Melanargia galathea). Während der Referent 2001 im ganzen Gebiet noch 33 Tagfalterarten festgestellt hatte, waren es 2004, also nach den Auflichtungsmassnahmen,
bereits 39 Arten. Von den Zielarten wurde ab 2003 einzig noch der Milchfleck vermisst, da der Kleine Moorbläuling erstmals im Ried Hinterguldenen festgestellt werden konnte und 2004
sogar im Vernetzungskorridor. Dort tauchten auch Kaisermantel, Violetter Silberfalter und Schachbrettfalter auf.
Im Laufe der Untersuchung ergaben sich noch zwei unerwartete Beobachtungen. Die eine betrifft den
Himmelblauen Bläuling (Lysandra bellargus), der auf einem isolierten Horst des Hufeisenklees (Hippocrepis comosa) bei anstehendem Fels vorkam, die andere den Kleinen
Moorbläuling, der seine Eier offenbar nicht nur an Lungen- oder Schwalbenwurz-Enzian ablegt, sondern ausnahmsweise auch an Deutschem Enzian (Gentiana germanica).
Ende der Sitzung: 2115
Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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