Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Prof. Dr. Hansruedi Wildermuth:  Auf Insektenjagd im südwestlichen Zipfel Afrikas - ein biologischer Reisebericht

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 09. Januar 2009
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      71 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt:   G. Bächli, Heidi Günthard, Sonja Hauenstein, B. Merz, J. Walter, D. Bolt

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Prof. Dr. Hansruedi Wildermuth: Auf Insektenjagd im südwestlichen Zipfel Afrikas –

ein biologischer Reisebericht

 

Über den südlichen und auch südwestlichen Teil der Republik Südafrika erstreckt sich die von Meer und Wüsten umgebene, aber von Winterregen geprägte, gemässigte Kapregion, das kleinste von weltweit insgesamt nur 7 Florenreichen. Darin findet man rund 9'000 Pflanzenarten (CH: 3'000), wovon 70% endemisch sind!

Zusammen mit 9 Kolleginnen und Kollegen bereiste unser Referent während dreier Wochen nebst der eigentlichen Kapregion auch Teile der nördlich anschliessenden Karoo.

In der flachen und dementsprechend windigen Halbwüste Nama Karoo wachsen vor allem kleine Büsche und Süssgräser (Poaceae). Das Gebiet ist generell überweidet, so dass man besser in die Nationalpärke ausweicht, um Tiere zu sehen. Dort findet man im Herbst (= Frühling der Südhalbkugel) – während 2-3 Wochen nur – zahlreiche vor allem gelb, orange und weiss blühende Therophyten, also einjährige Pflanzen, die nur als Samen überwintern. Deren Blüten werden vor allem von Purzelkäfern (Eucinetidae) bestäubt, von denen es in Südafrika 870 Arten (davon 60% endemisch) gibt. Wir sehen aber auch das blaue Karoo-Veilchen (Aptosimum procumbens), eine mehrjährige Polsterpflanze, die von Honigwespen (Masarinae) bestäubt wird. Ferner reissen uns aussergewöhnliche Aufnahmen wie die von Camponotus fulvopilosus hin, einer Rossameise mit orange bepelztem Hinterleib, oder wie jene der schwebenden Fliege aus der Familie Nemestrinidae, die mit überlangem Rüssel aus einer Blüte der Schwertlilie Lapeirousia jacquinii saugt. Auch an Schildkröten wie der riesigen Pantherschildkröte (Stigmochelys pardalis) mangelt es nicht, genauso wenig wie an interessanten Vögeln wie Mausvogel (Colius striatus), Kapammer (Emberiza capensis) oder Gleitaar (Elanus caeruleus). Sogar das ausgestorben gewähnte Quagga taucht wieder auf, wenn auch "nur" in Form einer gelungenen Rückzüchtung aus dem als artgleich erkannten Steppenzebra (Equus quagga).

Westlich der Nama Karoo liegt die Sukkulenten Karoo, eine echte Wüste ohne Gräser, aber immer wieder mit inselartigen, total 485 km2 bedeckenden Quarzkieselflächen, den Knersvlakten ("Knirschflächen"). Hier findet man die berühmten lebenden Steine (z.B. Lithops salicola) ebenso wie Wolfsmilchgewächse, z.B. Euphorbia stellaspina, die aussehen wie Kakteen. Die Insekten wiederum scheinen hier speziell auf Tarnung zu setzen, so auch jene Feldheuschrecke (Acrididae), die gefärbt ist wie die umliegenden, halbtransparenten weissen Kieselsteine. Faszinierend auch der einen zähnebleckenden Drachenkopf mimende Hinterleib einer Steinschrecke (Pamphagidae) der Gattung Hoplolopha.

Der Weg von der Sukkulenten Karoo zur atlantischen Küste führt durch den Fynbos ("Feinbusch"), eine für uns mediterran anmutende Strauchheidenlandschaft, vergleichbar etwa mit den Garrigues (F). Die Kap-Flora ist nirgends typischer als hier und überdies pyrophil (Feuer "liebend"). Tatsächlich brennt es auf jeder Fläche mindestens alle 40-50 Jahre, wobei gewisse Samen erst nach einem Feuer zu keimen vermögen. Das trifft auch für die Sträucher der Gattung "Nadelkissen" (Proteaceae: Leucospermum) zu, deren Blüten vom Kaphonigfresser (Promerops cafer) bestäubt werden. Woanders zeigen sich diverse Holzbienen (z.B. Xylocopa caffra), Bockkäfer (Promeces longipes) und in der Blüte einer Calla (Zantedeschia aethiopica) sogar ein Riedfrosch (Hyperolius horstocki). Ferner laufen uns u.a. Elenantilopen (Tragelaphus oryx), Helmperlhühner (Numida meleagris) und Bärenpaviane (Papio ursinus) über den Weg.

An der Küste schliesslich erwartet uns mit Brillenpinguin (Spheniscus demersus), Kaptölpel (Morus capensis), Schwarzem Austernfischer (Haematopus moquini) und Kapscharbe (Phalacrocorax capensis) die typische lokale Avifauna, kurz bevor sogar ein Südlicher Glattwal (Eubalaena australis) auftaucht. Die tosende Brandung wird indessen noch übertroffen durch den donnernden Applaus unseres trotz höchsten Erwartungen restlos zufrieden gestellten Publikums.

  Ende der Sitzung: 2125 Uhr                             der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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