Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Heidi Jost-Stucki & Urs Jost: Lebensraum Lopper – eine Entdeckungsreise in ein nahes und doch kaum bekanntes Naturgebiet

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 04. Dezember 2009
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      46 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt:   G. Bächli, H. Cigler, Heidi Günthardt, Susi Hauser, H. Pulfer, Gerda Surber, H. Wildermuth

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Heidi Jost-Stucki & Urs Jost: Lebensraum Lopper – eine Entdeckungsreise in ein nahes und doch kaum bekanntes Naturgebiet

 

Als östlicher Ausläufer des Pilatus (OW) ist der Lopper (839 m) Berg und Halbinsel zugleich. An drei Seiten (N, O, S) von Wasser umgeben und steilufrig ragt er als Berg bei Hergiswil (NW) so aus dem Vierwaldstättersee, dass er diesen fast von seinem südwestlichsten Arm namens Alpnachersee abtrennt. Nur 100 m sind es vom äussersten Zipfel der Halbinsel Lopper zum gegen­überliegenden Ufer von Stansstad.

Floristisch und faunistisch besonders ergiebig ist der steile Südhang des Lopper, mit seinen Felsbändern, Geröllhalden, alten Steinbrüchen, aufgelichteten Buchenwaldpartien auf Kalk sowie seiner berühmten Uferstrecke am Alpnachersee. Obwohl längs dieser eine mässig befahrene Autostrasse verläuft, verbleibt zwischen Strasse und See stets ein zumindest wenige Meter breiter, blockschuttreicher Streifen, der von einem strassenparallelen Fussgängerholzsteg aus problemlos einzusehen ist. Hier ruhen und sonnen sich rund 1500 (!) Würfelnattern (Natrix tessellata), die im sauberen See kleine Fische erbeuten und deren Vorfahren aus dem Tessin bereits 1944/45 ausgesetzt wurden. An einem günstigen Maientag kann man bis zu 50 Würfelnattern beobachten und manchmal sogar Paarungsknäuel mit je einem Weibchen und mehreren Männchen.

Am Ufer sind auch Schlammfliegen (Megaloptera: Sialidae) und Eintagsfliegen (Ephemeroptera) zu sehen. Von dort stammen ferner die meisten Libellen (Odonata), die man fast überall am Lopper antreffen kann, wie etwa: Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula), Gemeine Federlibelle (Platycnemis pennipes), Vierfleck (Libellula quadrimaculata), Weidenjungfer (Chalcolestes viridis), Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), Becher-Azurjungfer (Enallagma cyathigerum), Grosser Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum), Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta), Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) und sogar die Gestreifte Quelljungfer (Cordulegaster bidentata), deren Larven allerdings nicht im See leben, sondern in steilen Hangrinnen am Lopper.

Wir verlassen die Uferzone und wenden uns dem von mehreren Wegen erschlossenen Steilhang oberhalb der Strasse zu. Hier begegnet uns stets die längs der lokalen Bahnlinie von Süden hergewanderte Mauereidechse (Podarcis muralis), von der sich die angestammte Schlingnatter (Coronella austriaca) ernährt. Ausgesetzt, wenn auch im geeigneten Gelände längst etabliert, sind hingegen Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata) und Aspisviper (Vipera aspis). Je nach Jahreszeit finden wir kalkanzeigende Blumen wie Leberblümchen (Hepatica nobilis), Salomonssiegel (Polygonatum odoratum), Erika (Erica carnea), Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Schaft-Kugelblume (Globularia nudicaulis) oder Strauchwicke (Hippocrepis emerus), aber auch Schmetterlinge (Lepidoptera) wie Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Waldteufel (Erebia aethiops), Mauerfuchs (Lasiommata megera), Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis), Russischer Bär (Euplagia quadripunctaria), Federgeistchen (Pterophorus pentadactyla), Thymianwidderchen (Zygaena purpuralis), Faulbaumbläuling (Celastrina argiolus), Ulmen-Fleckenspanner (Abraxas sylvata) und sogar der Augsburger Bär (Pericallia matronula).

Erwähnenswert wären noch: Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris), Rothalsiger Linienbock (Oberea oculata), Lederwanze (Coreus marginatus), Grüne Zwergzikade (Cicadella viridis), Gemse (Rupicapra rupicapra) und die seltene Goldwespe (Chrysididae) Chrysis iris, die bei Lehmwespen (Vespidae: Eumeninae) der Gattung Symmorphus schmarotzt.

Tief beeindruckt von den in jeder Beziehung (Tiefenschärfe, biologischer Informationsgehalt, künstlerischer Anspruch) meisterhaften Fotos der Referentin (www.naturimbild.ch) vereinbaren wir spontan, auf den 12.6.2010 am Lopper eine Samstagsexkursion anzusetzen, unter der Führung des ortskundigen Referenten-Ehepaares. Details werden noch bekannt gegeben.

  Ende der Sitzung: 2130 Uhr                             der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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