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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 13. November 2009
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 62 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: S. Bieri, W. Ettmüller, Heidi Günthardt, M. Haab, Susi Hauser, C.
Kaufmann, S. Kohl, Isabelle Landau, A. Müller
Mitteilungen: Als neues Mitglied begrüssen
wir Rosmarie Baumann mit Applaus
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Anna Stäubli: Spinnen im Naturschutz
Ein opulentes Apéro – angerichtet von Ruth & Peter Hättenschwiler
zusammen mit Tochter Seraina Parpan und gesponstert von Jakob Walter – lässt uns fast vergessen, dass danach noch ein Vortrag folgt. Allerdings sind auf allen Stehbar-Tischchen neben dem
Gebäck auch kleine Spielzeug-Spinnchen zu finden.
Spinnen (Arachnida: Araneae) findet man praktisch überall, aber fast jeder Lebensraum (Biotop) hat seine spezifische Spinnenfauna.
Demzufolge verändert sich bei einer Nutzungsänderung in einem Lebensraum auch die Artenliste der darin lebenden Spinnen. Aus diesem Grund kann man die Spinnenfauna als Indikator (Zeiger)
für Zustand und ökologischen Wert eines Lebensraums verwenden. Mit anderen Worten kann man Lebensräume aufgrund vorkommender Spinnenarten bewerten, sobald man sich über den ökologischen
Wert einer jeden Art einig ist. Diesen wiederum errechnet die Referentin, indem sie zwei Noten (eine jede von 1 bis 6, wie in der Schule) multipliziert, die sie jeder vorgefundenen
Spinnenart gibt. Die eine Note ist für Seltenheit, die andere für den sog. Stenökiegrad, also für die Ansprüche an einen Lebensraum. Ist eine Art sehr häufig und völlig anspruchslos,
kann sie überall vorkommen und kriegt zweimal die Note 1. Ist sie hingegen sehr selten und stellt extrem hohe Ansprüche, kommt sie im Extremfall nur in einem Biotop vor und kriegt
zweimal die Note 6. Natürlich sind die Eigenschaften "Seltenheit" und "Stenökie(grad)" voneinander nicht unabhängig, weshalb man sich auch ein Bewertungssystem aufgrund nur einer dieser
beiden Eigenschaften vorstellen könnte.
Im Gelände des alten Güterbahnhofs in Zürich, wo gebaut werden soll, exponierte die Referentin auf 4 Teilflächen (Sickerbecken, Schotter,
Ruderalflur dicht, Ruderalflur spärlich) während dreier Monate insgesamt 20 Bodenfallen. Sie fand darin 39 Spinnenarten, wobei deren 7 neu für den Kanton Zürich sind und einen Artwert
von je über 15 erzielten. Eine dieser Arten, nämlich die Haubennetzspinne (Theridiidae) Carniella brignolii ist sogar neu für die Schweiz. Sie wird nur 1 mm lang und gilt als
Schotterspezialistin. Eine weitere Art, Oecobius maculatus, wurde sonst nur noch in einem Basler Bahnhof nachgewiesen. Da 5 der 7 erwähnten Arten typisch für ruderale
Trockenstandorte sind und auf den untersuchten Teilflächen auch die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus caerulans) vorkommt, sind auf den geplanten Neubauten nun begrünte,
strukturreiche Flachdächer mit Blähtonbeschichtung (Ersatz für Bahnschotter) vorgesehen.
Im Bachsertal wurden 3 Waldflächen (unaufgelichtet, licht mit Ziegen, licht gemäht) 3 Monate lang mit je 5 Fallen bestückt. Zusätzlich
kam ein Klopfschirm zum Einsatz. Insgesamt wurden 71 Spinnenarten gefangen, wovon 24 neu für den Kt. ZH sind und eine davon sogar für die Schweiz, nämlich die winzige Baldachinspinne (Linyphiidae)
Panamomops affinis. 14 Arten wurden nur dank des Klopfschirmes aufgespürt. Von den 3 Waldflächen erwies sich die von (9) Ziegen beweidete als die für Spinnen wertvollste, gefolgt
von der unaufgelichteten und der gemähten. Punkto Artenreichtum lag hingegen die gemähte Fläche mit 36 Arten knapp vor der beweideten (35) und deutlich vor der unaufgelichteten (18). Wie
nachhaltig dieser Befund ist, müsste sich noch erweisen, da auf der wertvollsten Fläche ganz offensichtlich zu viele Ziegen zum Einsatz kamen.
Die weder besonders seltene noch extrem anspruchsvolle Vierfleck-Kreuzspinne (Araneus quadratus) ist im Kt. ZH vor allem in
Flachmooren ebenso häufig gefunden worden wie in der übrigen Schweiz, womit unserem Kanton eine besondere Verantwortung zukommt, auf die man aufgrund des hier vorgestellten
Bewertungssystems allein nicht gekommen wäre. Zudem vermissen wir in der Schweiz eine Rote Liste für Spinnen.
Zum Schluss werden noch allerlei sehenswerte Gattungen gezeigt, darunter besonders archaische (Atypus), schöne (Eresus),
giftige (Latrodectus) und sprunggewaltige (Aelurillus).
Ende der Sitzung: 2115 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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