Entomologische Gesellschaft Zürich

gegründet 1911

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Vortragsprotokolle der EGZ

Hans Thomas:  Die Honigbiene - bekannte Unbekannte

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 23. Oktober 2009
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      39 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt:   H. Bucher, H. Cigler, M. Haab, E. Hartmeier, Sonja Hauenstein, Franziska Heusser, S. Kohl, E. Manhart, J. Walter

Mitteilungen:  Wir trauern um unser Mitglied (seit 1947) Fritz Bachmann (Riehen, BS). Als neue Mitglieder begrüssen wir Diego Bünter, Sara u. Christian Kaufmann, Gabi Keller, Barbara Kümin, Stefan Pluess, Theres Renner, Michael Scheucher und Corina Schiess. Ab sofort sind neue EGZ-Postkarten (5.- Fr. für Set à 6 Stück) erhältlich.

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Hans Thomas: Die Honigbiene – bekannte Unbekannte

 

Imker nennen eine Bienenkönigin seit Urzeiten "Weisel" und markieren sie auf dem Mittelbrustrücken mit einem Fleck, dessen Farbe das Markierungsjahr anzeigt. Da eine Königin nicht älter als 5 Jahre wird, genügen 5 Farben, um Verwechslungen zu vermeiden. Bis zu 120'000 Eier legt eine Königin () von Februar bis Oktober. Sind sie befruchtet, schlüpfen daraus madenförmige Larven, die sich bei Normalkost zu sterilen Arbeiterinnen (¡) entwickeln. Werden Larven aber mit dem aus Drüsen der ¡¡ stammenden Gelée Royale verköstigt, entstehen daraus junge ™™. Aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich die kurzlebigen Drohnen (¢). Eine ¡ lebt im Winter 6 Monate lang, im arbeitsintensiveren Sommer aber nur 3-5 Wochen. Ihre Aufgaben sind altersabhängig. Zuerst putzt sie Wabenzellen, dann pflegt sie die Brut, dann baut sie Waben mit dem Wachs ihrer (8) Hinterleibsdrüsen und danach bewacht sie den Stockeingang. Erst gegen Ende ihres Lebens wagt sich eine ¡ an den riskanten Aussendienst, um Nektar, Pollen, Wasser und Knospenharz zu sammeln. Das Harz wird später zum antibiotischen Propolis (Kittharz) verarbeitet, mit welchem alle möglichen Flächen im Stock überzogen werden.

Wir sehen in einem historischen Film, wie mehrere Drohnen hintereinander eine junge im Flug begatten. Jedesmal reisst der männliche Genitalapparat ab und bleibt in der Hinterleibsöffnung des stecken, während die erfolgreiche Drohne tot vom Himmel fällt. Die nächste kommt auch zum Zug, weil sie das "Begattungszeichen" entgegen landläufiger Meinung aus der Hinterleibsöffnung der zu entfernen vermag. Wie wir ferner erfahren, sammeln sich Drohnen aus verschiedenen Stöcken an traditionellen Sammelplätzen, so z.B. bei Thun (BE). Drohnen dürfen zunächst auch ungestraft von Stock zu Stock tingeln, bis dann gegen Ende Juni die sog. Drohnenschlacht beginnt, bei welcher sie von den ¡¡ aus den Stöcken gezerrt und abgestochen werden.

Europäische Honigbienen (Apis mellifera) schwärmen von Mai bis Juni, indem eine junge zusammen mit einem Teil der ¡¡ des Mutternestes abfliegt, um anderswo eine Tochterkolonie zu gründen. Lässt man den Schwarm gewähren, wählt er als Bleibe vorzugsweise eine rund 50 l fassende Baumhöhle mit südexponiertem, über 3 m hoch gelegenem Flugloch von rund 6 cm Ø.

16'000 Imker mit insgesamt 160'000 Bienenvölkern sorgen in der Schweiz alljährlich für eine Honigernte von 2'500 Tonnen mit einem Wert von 50 Mio Fr. Nebenbei tragen die Honigbienen – neben diversen Wildbienen – auch zu einer jährlichen Obsternte von 500'000 Tonnen mit einem Wert von 500 Mio Fr. bei. In chinesischen Landstrichen, aus denen Bienen infolge unverantwortlicher Insektizideinsätze verschwanden, müssen Bauern die Obstblüten von Hand bestäuben.

Wie Karl von Frisch (1886-1982) herausfand, können Bienen ihren Stockgenossinnen Richtung und Entfernung einer Nahrungsquelle mitteilen und zwar durch einen Schwänzeltanz auf einer senkrechten Wabe. Getanzt wird eine Achterschlaufe, wobei die Tanzrichtung des Mittelteils von der Senkrechten um soviel Winkelgrade abweicht wie die Richtung der Nahrungsquelle von der momentanen Sonnenrichtung. Je weiter entfernt eine Nahrungsquelle ist, desto langsamer tanzt die anzeigende Biene.

Nach interessanten Informationen zu Bienenkrankheiten sowie Bienenprodukten, die Krankheiten heilen, fesselt uns ein Film über Freibeuter aus Nepal, die in Felswänden nach den (im Ø 2 m) grossen Waben der riesigen Kliffhonigbiene (Apis laboriosa) suchen.

Zum Schluss spielt der Präsident eine Cabareteinlage von Ferruccio Cainero ab, worin Vergils (70-19 v.u.Z.) viertes Buch seiner Georgica erwähnt wird, das von der Imkerei handelt.

 

  Ende der Sitzung: 2130 Uhr                             der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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