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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 04. Februar 2011
Vorsitz: Gerhard Bächli
Anwesend: 53 Mitglieder und Gäste
Mitteilungen: Als neue Mitglieder begrüssen wir Philippe
Goeldlin, Heidi Hirt und Ralf Klötzer
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Jacques Bordon & Prof. Dr. Peter Duelli: Sammelreise und Fotosafari in
Nicaragua
Die beiden Referenten
trafen sich im Oktober 2009 beim Direktor (Jean-Michel Maes) des Museo Entomologico (www.bio-nica.info)
in Leon (Nicaragua). Von der darauf folgenden zweiwöchigen Gruppenreise berichten beide gemeinsam, auf Französisch (Bordon) und Deutsch (Duelli).
In Mittelamerika südlich von Honduras zwischen Pazifik und Karibik gelegen, war Nicaragua in
den 80er Jahren als Projektionsfläche für europäische Revolutions-Romantik namentlich in der Welt von Politik und Kultur in aller Munde. In Sachen Ökotourismus steht das Land allerdings
noch immer im Schatten seines südlichen Nachbarn Costa Rica, obschon auch in Nicaragua inzwischen fast 20% der Landesfläche unter Schutz stehen (Costa Rica 27%). Wir können in Nicaragua
3 biogeographische Zonen unterscheiden, nämlich Trockenwald auf pazifischer Seite, Bergnebelwald im zentralen Norden und Tieflandregenwald im Einzugsgebiet der Karibik.
Zuerst reist unsere Gruppe ins Refugio Bartola beim Rio San Juan unweit der Grenze zu Costa
Rica in einen noch nicht abgeholzten Regenwald mit Bromelien, Orchideen, auch Palmen und Bäumen mit Stelzwurzeln. Man beobachtet Wirbeltiere mit klangvollen Namen wie
Geoffroy-Klammeraffe (Ateles geoffroyi), Grünreiher (Butorides
virescens), Rotbruststärling (Sturnella militaris),
Gebänderte Katzenaugennatter (Leptodeira septentrionalis),
Zentralamerikanische Ameive (Ameiva festiva), Weisspunktgecko (Gonatodes
albogularis), Erdbeerfrosch (Oophaga pumilio),
Goldbaumsteiger (Dendrobates auratus), aber auch auffällige Insekten
wie Tiger-Passionsblumenfalter (Heliconus hecale), Elefantenkäfer (Megasoma
elephas) und Herkuleskäfer (Dynastes hercules).
Es gelingt zudem, zwei neue Arten von Florfliegen (Neuroptera: Chrysopidae) zu finden und somit weitere Argumente gegen den in jener Gegend noch immer drohenden Kanalbau (Atlantik – Rio
San Juan – Lago de Nicaragua – Pazifik) zu sammeln.
Nächstes Ziel ist das private Waldreservat Domitila am Westufer des riesigen Nicaraguasees
(Lago de Nicaragua) und somit in der Trockenwaldzone, wo Bromelien und Kakteen nebeneinander angetroffen werden können. Hier leben Mantelbrüllaffen (Alouatta
palliata), Sägeracken (Momotidae), Trogone (Trogonidae), auch Malachitfalter (Victorina
stelenes), Morphofalter (Morpho helenor),
Kaisermotte (Eacles imperialis) und weitere Falter wie
Rothschildia lebeau oder
Chlosyne melanarge. Wir sehen auch die Zweigameise
Pseudomyrmex ferruginea in Symbiose mit der Büffelhorn-Akazie (Acacia
cornigera). Diese bietet den Ameisen im Innern von aufgetriebenen Nebenblattdornen Nistplätze, ferner süsse Nektarien an
Blattstielen und eiweiss- sowie fetthaltige Futteranhängsel (Belt'sche Körperchen) an den Spitzen der Fiederblätter. Die stechfreudigen Ameisen aus der exotischen Unterfamilie der
Pseudomyrmecinae vertreiben im Gegenzug fast alle anderen Tiere und somit automatisch auch Pflanzenfresser. Nur Rotnacken-Zaunkönig (Campylorhynchus
rufinucha) und Feldwespen (Polistinae) aus der Gattung Polybia
schaffen es, trotz der aggressiven Zweigameisen auf der Büffelhorn-Akazie zu nisten.
Die dritte Station liegt auf rund 1000 m Höhe ü.M. in der Nebelwaldzone bei einer
biologischen Kaffeeplantage. Es zeigen sich Bunthörnchen (Sciurus variegatoides),
Trauerstärling (Dives dives), Greifschwanz-Lanzenotter (Bothriechis
schlegeli), Grüne Baumsteigerkröte (Bufo coniferus)
und sogar Jaguarspuren. Auch an Faltern (Sibine stimulea, Pantheroides pardalis, Eurema xanthochlora),
Käfern (Oedudes bifasciatus), Netzflüglern (Leucochrysa
clara), Heeresameisen (Eciton)
und Geisselspinnen (Amblypygi) mangelt es nicht. Auf 1400 m Höhe ü.M. treffen wir im Nebelwald überdies Krabben (Brachyura), die sich in selbstgegrabene Erdlöcher zurückziehen. Wir
nehmen an, dass die Löcher bis zum Grundwasserspiegel hinabreichen, so dass die Tiere in ihr ursprüngliches Element abtauchen können.
Die letzte Station heisst Nebliselva El Jaguar, ist halb in Schweizer Hand (Lili und
Georges Duriaux-Chavarría) und liegt ebenfalls in der Nebelwaldzone, auf fast 1400 m Höhe ü.M. Im leider alles andere als naturnahen Garten kann man 22 Arten von Kolibris (Trochilidae)
bewundern. Nach einer viel zu kurzen Diskussion beschliessen wir den Abend in Jimmy's Pizzeria.
Ende der Sitzung: 2115 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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