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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 07. Januar 2011
Vorsitz: Verena Lubini
Anwesend: 45 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: 6 Mitglieder
Mitteilung: Als neues Mitglied begrüssen wir Sarah Neuhauser
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Michael Geiser: Laos – Land und Käfer
Laos ist ein langgestrecktes Binnenland in der
südostasiatischen Tropenzone (orientalische Region), eingeklemmt vor allem zwischen Thailand (im SW) und Vietnam (im NO). Es ist rund 6-mal grösser als die Schweiz, erreicht aber nicht
ganz deren Einwohnerzahl. Die grössten Städte (Vientiane, Luang Prabang) liegen im Tal des Mekong, eines vom Vietnamkrieg her bekannten Flusses, der auch die längste Strecke der Grenze
zu Thailand bildet. Hier finden wir ausserhalb der Regenzeit (also von Nov. – Mai) ausgedehnte Sandbänke, auf welchen der Sandlaufkäfer Cosmodela aurulenta auftritt. Der Rest des
Landes ist mehr oder weniger gebirgig, bis hinauf auf 2817 m (Phu Bia), wo dem Vernehmen nach Opium angebaut werden soll.
Entsprechend der multiethnischen Bevölkerung werden zahlreiche Sprachen gesprochen und zwar aus vier
verschiedenen Familien (Mon-Khmer, Kam-Tai, Miao-Yao, Lolo-Birmanisch). Die Amtssprache (Laotisch) ist eng mit dem Thai (Thailand) verwandt. Die meisten Volksgruppen sind buddhistisch
(ab 800), aber es existieren in den Bergen noch animistische ethnische Religionen der zu den austroasiatischen Mon-Khmer-Sprechern gehörenden Urbevölkerungsgruppen. Eine davon schuf vor
1500 bis 2000 Jahren eine Hochkultur auf der Ebene der Tonkrüge (Thong Hay Hin).
Das politische System ist seit 1975 kommunistisch, allerdings ebenso wie in China und Vietnam inzwischen ohne Planwirtschaft.
Primärer Regenwald mit 30 m bis 50 m hohen Bäumen soll noch immer 20% der Landesfläche bedecken, wenn
auch im (20 km breiten) Einzugsbereich von Strassen nur noch an Steilpartien. Das restliche Gelände ist kultiviert, mit Sekundärwald bestanden oder von einer aus der karibischen Region
eingeschleppten Staude (Chromolaena odorata) überwuchert, die unserem Wasserdost gleicht. An einigen eher trockenen Stellen gedeihen zudem Föhrenwälder, in denen nebst
dem Prachtkäfer Chalcophora yunnana
auch der aus Europa bekannte Waldbock (Spondylis buprestoides)
vorkommt. Die grösste Ausbeute an Totholz bewohnenden Käfern erwartet den Sammler indes makabrerweise an verkohlten Stämmen frisch gerodeter Flächen. Weniger versehrte Gebiete sind wohl
noch artenreicher, nur findet man die Tiere darin nicht immer so leicht.
Viele Bockkäfer (Cerambycidae) fliegen Blüten an, manche aber nur solche auf Bäumen. Meterhoch an Stämmen muss man
auch den Prachtkäfer Catoxantha bonvouloiri suchen. Anderen, wie dem
Laufkäfer Carabus vitalisi, begegnet man am Boden. Dort suchte der Riesenmistkäfer Heliocopris dominus
ursprünglich nach Elefantendung, muss sich heutzutage aber in den meisten Gegenden mit Fladen des domestizierten Wasserbüffels (Bubalus
arnee) begnügen. Ebenfalls zu den Blatthornkäfern (Scarabaeidae) gehören Langarmkäfer der Gattung Cheirotonus, deren Larven jahrelang im Totholz leben. Die Männchen fallen
durch ihre überlangen Vorderbeine auf, die wie eine Mischung aus Bockkäferfühlern und Hirschkäfergeweih wirken. Wir lernen auch die vom überaus kompetenten und umfassend informierten
Referenten intensiv erforschten Prionoceridae kennen. Obwohl eine Schwesterfamilie der Buntkäfer (Cleridae), ähneln sie Weichkäfern (Cantharidae) oder Scheinbockkäfern (Oedemeridae). In
Europa sind sie nur mit einer einzigen Art (Lobonyx aeneus) vertreten. In Laos
hingegen leben zahlreiche Arten (z.B. Prionocerus bicolor), aber noch von keiner kennt man das Larvensubstrat!
Von den Schmetterlingen bleiben uns farbenprächtige Edelfalter (Nymphalidae) der Gattung
Cethosia ebenso in Erinnerung wie Vertreter der nicht minder bunten und schnittigen
Uraniidae, die aber mit den Spannern (Geometridae) verwandt sind. Auch der riesige, als Falter nur kurzlebige Atlasspinner (Attacus atlas) kommt vor. Grosse Schlammfliegen (Megaloptera),
blattförmige Langfühlerschrecken (Pseudophyllinae) und die endemische, ihrem Namen Ehre machende Riesenkrabbenspinne (Sparassidae) Heteropoda maxima vervollständigen die Palette
von lokalen Tropenarten, zu denen auch Blindwühlen (Amphibia: Gymnophiona), Königskobra (Ophiophagus hannah),
Bambusottern (Trimeresurus) und Hirschferkel (Tragulus) gehören.
Ende der Sitzung: 2100 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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