Entomologische Gesellschaft Zürich 
gegründet 1911
Mitglied der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft

                         

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Vortragsprotokolle der EGZ

Florin Rutschmann: Auf Heuschrecken-Fotosafari in Nordgriechenland

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 16. Dezember 2011
Vorsitz:           Gerhard Bächli
Anwesend:      47 Mitglieder und Gäste

Mitteilung:      Kein Stamm bis zum 6.1.12. Im Ortsmuseum Wallisellen (offen jeden 1. Sonntag im Monat 1330-1630) die Ausstellung (8.1.-7.10.12) "Naturbilder aus Wallisellen"

 

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Florin Rutschmann: Auf Heuschrecken-Fotosafari in Nordgriechenland

 

Nach einem stimmigen Intro mit Musik von Dire Straits und zwei Schlangen (Hornviper, Würfelnatter) begleiten wir den Referenten und seinen Studienkollegen Dominik Hagist auf ihrer Reise (9.-22.7.2011) durch Nordwestgriechenland (Regionen Epirus, Thessalien und Westmakedonien).

Kaum im Fährhafen von Igoumenitsa (Epirus) angekommen, sind bereits die ersten Weinhähnchen (Oecanthus pellucens) zu vernehmen. Am nächsten Morgen überraschen wir eine Aegyptische Wanderheuschrecke (Anacridium aegyptium) bei der Häutung und erfahren dabei, dass Kurzfühlerschrecken (Caelifera) ihre abgestreiften Häute nicht verzehren, im Gegensatz zu Langfühlerschrecken (Ensifera). Nach und nach entdecken wir auch Brunners Schönschrecke (Paracaloptenus caloptenoides) und eine Grüne Strauchschrecke (Eupholidoptera chabrieri). Die erhoffte Mittelmeer-Dornschrecke (Paratettix meridionalis) finden wir an einem Seeufer, bevor es weiter geht mit Dickkopf-Grashüpfer (Euchorthippus declivus) und der Beissschrecke Platycleis incerta. Tonaufnahmen weiterer Heuschrecken werden leider von Singzikaden (Cicadidae) übertönt. Auf dem Weg ins Gebirge entschädigen uns dafür paarende Ionische Buntschrecken (Poecilimon jonicus) aus der Unterfamilie der Sichelschrecken (Phaneropterinae). Wie bei Langfühlerschrecken üblich begibt sich das Männchen unter das hochbeinig dastehende Weibchen und hält sich mit seinen Cerci ("Schwanzanhänge") an ihren passenden Hinterleibsgruben fest. So kann er seinen riesigen Spermatophor (Samenbehälter) an ihrer Hinterleibsöffnung anheften und sich wieder entfernen. Noch während die Spermien ihren Weg ins Weibchen finden, frisst dieses den nahrhaften Spermatophor bereits an.

Nach abenteuerlicher Fahrt erreichen wir das Tomaros-Gebirge (1974 m ü.M.), wo Schmetterlingshafte (Neuroptera: Ascalaphidae) fliegen. Oberhalb der Weidegrenze kommt die Höckerschrecke Arcyptera labiata neben dem Grashüpfer Stenobothrus clavatus vor, wobei dieser sich hier wohl mit dem Bunten Alpengrashüpfer (Stenobothrus rubicundulus) kreuzt. An trockenen Stellen finden wir ferner die Pferdeschrecke (Celes variabilis), in einer verfilzten, eher feuchten Wiese die endemische Buntschrecke Poecilimon soulion. Ein Männchen von Poecilimon zimmeri lockt dieweil auf einer Blüte mit seinem Gesang nicht weniger als 3 Weibchen gleichzeitig an. Erst auf der Gipfelregion begegnen wir der seltenen Peripodisma tymphii.

Am Ufer des Pamvotida-Sees in Ioannina bemerken wir inmitten der Abfälle den für Epirus endemischen Grashüpfer Chorthippus lacustris, bevor wir nach Thessalien in die für ihre Felsenklöster bekannte Gegend von Meteora hinüberwechseln, wo die Sägeschrecke Saga hellenica häufig ist. Costas Schönschrecke (Calliptamus barbarus) und Glyphanus obtusus bleiben uns ebensowenig vorenthalten wie Zaunschrecke (Sepiana sepium) und Bucephaloptera bucephala. Sogar Bradyporus dasypus, die schwerste Laubheuschrecke Europas, zeigt sich an einem Baumstamm. Weiter im Osten in einer Felsensteppe westlich des Olymps frisst eine Gampsocleis abbreviata an einer Blüte, während wir nebst Östlichem Heupferd (Tettigonia cantans) auch die Steinschrecke (Pamphagidae) Glyphotmethis heldreichi registrieren.

Im Norden Westmakedoniens, unweit der bekannten Prespa-Seen, erhebt sich das Vernon-Gebirge (2128 m ü.M.). Oberhalb seiner ausgedehnten Waldungen und Adlerfarnfluren leben in Bergwiesen Kleine Goldschrecke (Euthystira brachyptera), Metrioptera oblongicollis und nicht weniger als 5 Buntschrecken (Poecilimon affinis, P. chopardi, P. gracilis, P. klisuriensis, P. jonicus). Auf dem Rückweg sehen wir Psorodonotus fieberi und hören aus einer Buntbrache den durch blosse Halsschildbewegungen erzeugten Gesang des flügellosen Bradyporus dasypus.

Nun schon in Sichtweite des Berges Smolikas (2637 m ü.M.), also beim Pindos-Gebirge, entgehen uns weder Oropodisma macedonica noch Conocephalus kisi. Wir freuen uns auch über Pfaendlers Grabschrecke (Xya pfaendleri) auf sandigen Kiesbänken eines Flusses. Die winzigen Tiere graben im Sand bis zu 50 cm lange Gänge und fressen den Algenbelag von Sandkörnern.

 

  Ende der Sitzung: 2035 Uhr                             der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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