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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 09. Februar 2007
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 64 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: H. Cigler, E. Hartmeier, H. Hörsch, Isabelle Landau, Karin Loeffel, B. Merz, A. Müller, W. Osterwalder, B. Peter
Mitteilung: Als neue Mitglieder begrüssen wir Matt Braunwalder, Alice Johnson und Regula Langenauer mit Applaus
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Matt E. Braunwalder: Skorpione und ihre Welt
Skorpione (Scorpiones) sind eine
Ordnung der Spinnentiere (Arachnida). Weltweit sind 18 Familien, 178 Gattungen und rund 1700 Arten bekannt, die vor allem tropische und subtropische Zonen besiedeln. Einzelne davon
dringen nach Norden bis Südkanada oder Österreich vor.
Stammesgeschichtlich registrieren wir die ersten,
vom Meer her stammenden landlebenden Skorpione im späten Silur, vor rund 420 Mio Jahren. Bereits im frühen Karbon, vor rund 325 Mio Jahren, waren sie soweit entwickelt, dass sie nicht
viel anders aussahen als heute noch. Man bezeichnet deshalb Skorpione gerne als "lebende Fossilien".
Skorpione verfügen über eine Reihe von
leistungsfähigen Sinnesorganen, wie etwa Becherhaare (Trichobothria), die auf minimale Luftbewegungen im Nahbereich ansprechen, oder schlitzförmige Sensillen ("Schlitzorgane"), die
leiseste Erschütterungen wahrnehmen. Die (6-8) Augen der generell nachtaktiven Skorpione sehen Formen zwar nur vage, aber namentlich die 2 Seitenaugen sind äusserst lichtempfindlich. Zu
erwähnen wäre auch das bauchständige, paarige Kammorgan (Pecten) unmittelbar hinter dem hintersten Beinpaar. Seine Funktion ist noch umstritten.
Bei der Paarung (bei uns im Herbst) fasst das
Männchen mit seinen Zangen (Pedipalpen) diejenigen des Weibchens, worauf eine Art Paarungstanz beginnt. Im Laufe dessen heftet das Männchen einen gestielten Samenbehälter (Spermatophor)
auf den Boden und versucht das Weibchen so zu führen, dass es den Behälter in seine Geschlechtsöffnung aufnehmen kann. Nach rund 11 Monaten Tragzeit wirft das Weibchen bei der
einheimischen Gattung Euscorpius rund 10 bis 30 lebende, noch weisse Junge, die bereits im Mutterleib begonnen haben, sich von Ausstülpungen des Eileiters zu ernähren. Diese
erfüllen somit die Funktion einer Plazenta i.w.S. Bis zu ihrer ersten Häutung werden die Jungen auf dem Rücken der Mutter getragen, danach entfernen sie sich.
Skorpione sind räuberisch und im Falle unserer
einheimischen Arten opportunistisch, erbeuten deshalb mit ihren Zangen alles, was sie überwältigen können. Dabei wird das Gift des Stachels (Telson) am Ende des schwanzartigen Metasoma
nur sparsam eingesetzt. Es dient der Feindabwehr und der Lähmung von grösseren Beutetieren, anders als bei Spinnen (Araneae) und Schlangen aber kaum zur Vorverdauung der Beute, da
Skorpione diese weder aussaugen noch am Stück schlucken, sondern mit ihren (wie die grossen Pedipalpen ebenfalls) zangenförmigen kleinen Cheliceren zerpflücken. Dementsprechend enthält
Skorpionsgift vor allem neurotoxische (Nerven vergiftende) Komponenten und nur bei wenigen Arten auch haemotoxische (Blut vergiftende). Für den Menschen gefährlich ist nur das Gift von
rund 35 Arten aus 9 Gattungen, darunter für Südeuropa Buthus und Mesobuthus, für Nordafrika auch Androctonus u.a.
Nur 3 Arten leben auch in der Schweiz, nämlich
Euscorpius germanus (Münstertal), E. alpha (Puschlav, Bergell, Tessin rund um Luganersee, Wallis südlich des Simplon) und E. italicus (Misox, Tessin, Wallis auf Colline
des Maladaires bei Sion). Während man die bis zu 2 cm kurzen Arten germanus und alpha als autochthon (alteingesessen) bezeichnen kann, wurde der bei uns noch immer
kulturfolgende italicus (5 cm) im Tessin und Misox wohl erst im klassischen Altertum durch die Römer eingeführt. Noch wesentlich später – aber spätestens im 19. Jh. – mag E.
italicus auf der Colline des Maladaires eingeschleppt worden sein. Verantwortlich gemacht werden fahrende Händler aus der Lombardei, die Apotheken mit lebenden Skorpionen versorgten.
Ende der Sitzung: 2140
Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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