Entomologische Gesellschaft Zürich

gegründet 1911

Mitglied der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft

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Vortragsprotokolle der EGZ

EGZ:  Mitteilungen und Demonstrationen 2008

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 7. März 2008
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      31 Mitglieder und Gäste

Entschuldigt:   G. Bächli, D. Bolt, M. Birchler, Marianne Braunwalder, D. Burckhardt, M. Burri, W. Ettmüller, Traute Fliedner, Sonja Hauenstein, Sonja Kägi, S. Kohl, M. Lüscher, H. Thomas, H. Wildermuth

Mitteilung:      Als neue Mitglieder begrüssen wir Marianne Braunwalder, Martin Lüscher-Landau und Andreas Reiser
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Mitglieder EGZ : Mitteilungen und Demonstrationen

 

Donat Agosti stellt die neue, in der Schweiz domizilierte Web-Datenbank "Plazi, taking care of freedom" (http://plazi.org/) vor, die er zusammen mit 3 Kollegen (T. Catapano, Christiana Klingenberg, G. Sautter) aus New York und Karlsruhe betreibt. Sie will das Wissen über unsere globale Biodiversität fördern, indem sie jedwede nur verfügbare taxonomische Literatur online zugänglich machen möchte. Dabei hofft man, dank unserer liberaleren Gesetzgebung die strengeren Urheberrechtsbestimmungen von EU und USA umgehen zu können. Namenspatron und ideelles Vorbild war der Truner Benediktinermönch Placidus a Spescha (1752-1833), ein passionierter Naturforscher mit aufgeklärter und rebellischer Gesinnung.

Peter Peisl nimmt sich die Familie der Schwalbenwurzgewächse (Asclepiadaceae) vor, die in der Regel kastagnettenförmige, reissfeste Pollinien bilden. Diese klemmen sich an Beinen von Bienen oder Fliegen fest und gelangen so auf andere Blüten, an denen sie wiederum so stark haften bleiben, dass sich das übertragende Insekt nicht immer unbeschadet losreissen kann. Vorgänge wie man sie auch an der kleinblütigen einheimischen Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) beobachten kann. Mit wesentlich grösseren, meist weinroten, haarigen und nach Aas riechenden Blüten locken afrikanische Aasblumen der Gattung Stapelia Fliegen an. Ein weiteres Thema ist die Giftigkeit, sei es bei der nordamerikanischen Gemeinen Seidenpflanze (Asclepias syriaca), der Futterpflanze für Raupen des dadurch ebenfalls giftig werdenden Monarchs (Danaus plexippus) oder sei es beim sog. "Hungerkaktus" (Hoodia gordonii) der Wüste Kalahari (zentr. südl. Afrika), der von Buschmännern (Khoisan) als Droge gegen das Hungergefühl benutzt wird.

André Rey fand 2007 in Fliessgewässern (Limmat, Sihl, Schanzengraben) der Zürcher Innenstadt überall Larven und Exuvien der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus). Zudem be­obachtete er am Sihlabschnitt bei der Gessnerbrücke sensationellerweise Männchen von drei weiteren Flussjungfern (Gomphidae), nämlich Grüne Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia), Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus) und Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus).

Ernst Hartmeier zeigt farbenfrohe Videoaufnahmen seiner letztjährigen Zuchterfolge. Wir sehen Raupen und Falter von Mauerfuchs (Lasiommata megera), Grünwidderchen (Rhagades pruni), Kiefernschwärmer (Sphinx pinastri), Abendpfauenauge (Smerinthus ocellata), Eichenschwärmer (Marumba quercus), Mondfleck (Phalera bucephala) und einigen Exoten.

David Jutzeler züchtete auf Veilchen mit Erfolg den Kardinal (Argynnis pandora), den er in der hügeligen Karstlandschaft der Monti Aurunci nördlich von Neapel (aber bereits in Lazio) gesammelt hatte. Seine Eier sehen aus wie kleine gestauchte Maiskölbchen. Des weiteren interessieren Merkmale, um den Walliser Waldportier (Hipparchia genava) vom Kleinen Waldportier (Hipparchia alcyone) zu unterscheiden. Bisher musste man dazu bei den Männchen das Julliensche Organ (Stäbchenschuppen am Hinterleibsende) freilegen. Nun fand der Referent auch Unterschiede an der Hinterleibsspitze, den Genitalien und erfreulicherweise auch am Flügelmuster.

Erich Preisig präsentiert seinen Film (Erich Preisig & Alfred Leumann; Sprecherin: Verena Lubini) über die Theissblüte (Palingenia longicauda), der grössten Eintagsfliegenart Europas. Einst in ganz Europa verbreitet, findet man sie heute nur noch im Einzugsgebiet der Theiss (Ungarn), wo sie jeweils in der zweiten Junihälfte an wenigen Abenden auffällige Massenflüge veranstaltet. Die mit kräftigen Vorderbeinen ausgestatteten Larven graben Wohnröhren im schluffig-tonigen Flussbett und sind beliebte Köder für Fischer, die es auf Welse (Silurus glanis) abgesehen haben.

  Ende der Sitzung: ca. 2155 Uhr                          der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

 

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