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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 11. Januar 2008
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 62 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: G. Bächli, S. Bieri, W. Bohren, D.
Burkhardt, H Cigler, E. Hartmeier, B. Merz, L. Ruckstuhl
Mitteilung: Unser neues Mitglied Gerda
Surber stellt ihren neuen Naturgartenkalender vor: http://www.naturgarten12.ch/
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Adrienne Frei: Mit Pfeil und Bogen auf Käferjagd
Die überaus eloquente, auf vorbildliche
Weise stets auf Verständlichkeit bedachte Referentin ist Forstingenieuse am WSL und berichtet über ihre Arbeit mit xylobionten (Holz bewohnenden) Käfern, die sie zusammen mit ihrem
Kollegen René Bertiller im bekannten Mittelwald namens Niderholz (370 m ü.M.) zwischen Marthalen und Ellikon am Rhein durchführte.
Botanisch und geologisch gesehen handelt es sich um einen Eichen-Hagenbuchenwald (Galio silvatici-Carpinetum, d.h.
Waldlabkraut-Hainbuchenmischwald) auf einer Niederterrassen-Schotterebene (zwischen Thur und Rhein). Dementsprechend ist der Lebensraum für einen Wald mager, trocken und warm. Zudem ist
der Wald auch licht, da er seit langem als Brennholzlieferant und Schweineweide dient. Schweine lieben aber Eicheln, weshalb man jahrhundertelang Eichen (Quercus robur, Q. petraea)
gefördert haben dürfte. Heute ist das Niderholz jedenfalls einer der beiden grössten Eichenwälder der Schweiz.
Es wurden 4 unterschiedliche, jeweils um die 250 ha grosse Waldbestände vergleichend untersucht, nämlich ein lichter, traditionell
genutzter, eichendominierter Mittelwald (a), ein nicht mehr so lichtes Naturwaldreservat (b) ohne Pflege und Nutzung, eine sog. "Mittelwald-Durchforstung" (c), die nutzungsmässig und
strukturell ein Mittelding zwischen den Beständen a und b ist, sowie ausserhalb des Niderholzes ein benachbarter Hain namens Abist (d), mit besonders grossen Eichen. In diesen vier
Waldbeständen wurden Käfer von Hand (mit robustem Kescher) sowie mit Hilfe verschiedener Fallen (Kombifallen, Petflaschenfallen mit speziellem Bierköder) gesammelt. Diese Fallen kamen
auch im Kronenbereich der Eichen zum Einsatz. Dorthin gelangten sie mit Hilfe eines Bogenschützen, der jeweils einen Pfeil über Astgabeln schoss, an welchem ein Silchfaden befestigt war.
Dieser wiederum war am anderen Ende an eine Schnur geknüpft, an welcher eine Falle letztlich hochgezogen werden konnte.
Fallen und Köder waren so konzipiert, dass man sich eine besonders grosse Ausbeute folgender Käferfamilien erhoffte: Bockkäfer (Cerambycidae),
Prachtkäfer (Buprestidae), Hirschkäfer (Lucanidae), Buntkäfer (Cleridae) und Feuerkäfer (Pyrochroidae).
Aus diesen Familien wurden 34 Arten im lichten Mittelwald (a) nachgewiesen, 21 im intermediären Bestand (b) und nur 15 im eher düsteren
Naturwald (c). Je lichter der Wald also, desto mehr xylobionte Käferarten enthält er. Die gleiche Reihenfolge ergab sich auch bei der Käferdiversität (nach Shannon-Wiener) sowie bei
Pflanzenarten.
In die Kombifallen gerieten u.a. der Sturmschadenflächen bevorzugende Gefleckte Blütenbock (Pachytodes cerambyciformis), der aus
dünnen Zweigen schlüpfende Kleine Schmalbock (Stenurella melanura), der unter Rinde jagende Orangefarbene Feuerkäfer (Schizotus pectinicornis) und der seltene
Eichen-Zangenbock (Rhagium sycophanta).
In den Pet-Fallen konnte für die Schweiz seit 1919 erstmals wieder der mulmreiche Wipfelregionen bewohnende Grosse Goldkäfer (Protaetia
aeruginosa) nachgewiesen werden!
In Kombifallen des Kronenbereichs fanden sich nur wenig Käfer, dafür aber umso seltenere wie Wendekreis-Widderbock (Clytus tropicus)
und Zierlicher Widderbock (Xylotrechus antilope).
Nicht weniger als 58 Arten konnten von Hand gefangen werden, wobei 24 davon nie in irgendwelche Fallen gelangten. Hervor gehoben seien
hier der weissfaules Holz bewohnende Balkenschröter (Dorcus parallelipipedus), der nachtaktive Sägebock (Prionus coriarius) sowie der Borkenkäfer (Scolytinae) jagende
Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius).
Ende der Sitzung: 2100 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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