Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Dr. Mike Herrmann:  Auf den Spuren der Schwarzen Mörtelbiene

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 26. Januar 2007
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      54 Mitglieder und Gäste

Entschuldigt:   H. Cigler, M. Geiser, Franziska Heusser, Sonja Kägi, T. Maag

Mitteilung:      Als neues Mitglied begrüssen wir Ernst Schuppisser mit Applaus!
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Dr. Mike Herrmann: Auf den Spuren der Schwarzen Mörtelbiene

 

Die aufällige, mehr als honigbienengrosse Schwarze Mörtelbiene (Megachile parietina) gehört zu den bauchsammelnden Blattschneiderbienen i.w.S. (Megachilinae) und fliegt bei uns von April bis Anfang Juli. Zuerst erscheinen die rostrot behaarten, kurzlebigen Männchen, dann die schwarzen Weibchen, die nach der Paarung bereits zu nisten beginnen. Dabei erstellt ein Weibchen aus lehmigem Mörtel an südostexponierter und möglichst regengeschützter Lage von Felswänden, Findlingen oder unverputzten Mauern im Laufe seines Lebens jeweils nur bis zu 15 (Ø 6-7) Brutzellen. Da in jeder nur Platz für eine einzige Larve ist, die überdies noch von diversen Parasiten (u.a. Stelis nasuta, Chrysis radians) heimgesucht werden kann, handelt es sich ohne Zweifel um ein Insekt mit erstaunlich kleiner Reproduktionsrate.

Die Brutzellen werden vor der Eiablage bevorzugt mit Pollen von Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) versorgt, bei uns im Kt. ZH zu 90% von Esparsette (Onobrychis viciifolia) und 10% von Hornklee (Lotus corniculatus). Die Esparsette gilt es demnach besonders zu beachten, zumal die entsprechenden Heuwiesen oft genug noch während der Flugzeit der Mörtelbienenweibchen gemäht werden. Diese pflegen sich bei der Nahrungssuche zudem nie weiter als 300 m von ihrem Nest zu entfernen. Sind in diesem alle Zellen belegt, wird es vom Weibchen noch mit einer zusätzlichen, tarnenden Lehmschicht überzogen, so dass es schliesslich aussieht, wie ein an die Wand geworfener Lehmklumpen. Er ähnelt stark dem Nest der Lehmwespe Delta unguiculatum. Die ist aber bezüglich ihrer Niststandorte viel anspruchsloser als die Mörtelbiene, welche in unseren Breiten nicht nur auf die Nestexposition achtet, sondern aus thermischen Gründen auch auf ein möglichst dunkles, sich im Sonnenschein schnell aufheizendes Nistsubstrat. Dabei werden Findlinge und Blocksteine von mittelgrosser Masse bevorzugt, die weder zu langsam aufheizt, noch zu schnell abkühlt.

Die im Mittelmeerraum häufige Schwarze Mörtelbiene befindet sich in Mitteleuropa schon seit rund 100 Jahren im Rückgang, seit nämlich immer weniger Grund besteht, für zunehmend nicht mehr benötigte Zugtiere Kraftfutter in Form von Leguminosen (incl. Esparsetten) anzubauen. Da auch unverputzte Mauern schon seit Jahrzehnten rückläufig sind, stehen wir nun in der Schweiz vor der unerfreulichen Situation, dass die Schwarze Mörtelbiene in Mittelland und Jura nur noch in einem begrenzten, keine 50 km durchmessenden Gebiet beidseits des Hochrheins vorkommt und zwar hauptsächlich in den Kantonen Schaffhausen und Zürich. Hier fand der Referent im Auftrag der Naturschutzbehörde des Kantons Zürich im Jahre 2005 nur 44 nestbauende Weibchen, die meisten davon in den Gemeinden Hüntwangen (Rafzerfeld), Weiach und Glattfelden, nebst Einzeltieren z.B. bei Stammheim und Kleinandelfingen.

Verschiedene sofort eingeleitete Massnahmen rund um die Nistplätze trugen jedoch dazu bei, dass bereits 2006 ein deutlich angestiegener Bestand von nunmehr 55 nestbauenden Weibchen festgestellt werden konnte. Geplant sind weitere Schutz- und Fördermassnahmen, auch im Sinne von neuanzulegenden Habitaten zwischen schon bestehenden. Heute konzentrieren sich die bekannten Nistplätze abgesehen von einer blocksteinreichen Siedlung in Weiach vor allem auf Kiesgruben, die es somit ebenso im Auge zu behalten gilt, wie die da und dort schon erfreulichen Esparsettenbestände. Dabei ist zu beachten, dass eine nistende Mörtelbiene pro Brutsaison (also ungemäht bis Anfang Juli!) nicht weniger als 107 Esparsettenpflanzen benötigt, wie eine Arbeitsgruppe unseres Mitgliedes Andreas Müller feststellte.

  Ende der Sitzung: ca. 21 Uhr                          der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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