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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 9. November 2007
Vorsitz: Claude Meier
Anwesend: 54 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: W. Ettmüller, M. Haab, B. Merz, H. Thomas
Mitteilungen: Als neues Mitglied begrüssen wir die anwesende Susi Hauser mit grossem Applaus.
Zudem:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/unterschaetzte_wildbienen_1.580587.html
ist ein Artikel, in dem die weitum unterschätzte Rolle der Wildbienen auch bei der Bestäubung von Kulturpflanzen kontrovers diskutiert wird.
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André Rey: Der Tagliamento – Wildfluss und Insektenparadies
Wer heutzutage in Europa noch einen von
der Quelle bis zur Mündung unverbauten Fluss sehen möchte, geht am besten ins Friaul (I) zum Tagliamento. Er entspringt im südlichen Bereich der Karnischen Alpen, am Mauriapass (1298 m),
und mündet 172 km weiter unten zwischen Venedig und Triest in die Adria. Auf seinem Weg dahin verliert er sich beinahe selbst in seinem eigenen, bis zu 2 km breiten Bett, denn er fliesst
darin – ausser bei Hochwasserereignissen – nicht als breiter Strom dahin, sondern bildet um unzählige Kies- und Sandbänke sowie Gehölzinseln ein verwirrendes Adernetzwerk von sich
aufgabelnden und immer wieder zusammenfliessenden Fluss- und Bacharmen. Diese äusserst komplexe Flusslandschaft mit jeder einzelnen Insel zu kartieren wäre keine dankbare Aufgabe, da
beim Druck einer solchen Karte die Landschaft mit Sicherheit bereits wieder eine andere wäre. Selbst die relativ stabilen Gehölzinseln mit Schwarzpappel (Populus nigra),
Lavendelweide (Salix eleagnus) und im Oberlauf auch Deutscher Tamariske (Myricaria germanica) haben jeweils eine Lebensdauer von höchstens 20 Jahren.
Auf den eindrücklichen Landschaftsaufnahmen des bestens informierten Referenten fällt auf, welch grossen Abstand die Dörfer zum ohnehin
schon breiten und auenwaldgesäumten Uferbereich einhalten. Dementsprechend sind sie sicher auch vor aussergewöhnlichen Hochwässern. Die einzige Stadt, die dem Tagliamento näher rückte
und auch schon überflutet wurde ist Latisana im Unterlauf. Vordergründig um diese Stadt zu schützen, wohl aber auch um vermehrt Kies abbauen zu können, möchte man nun auch weitab von
Latisana verschiedene Eingriffe in die Flusslandschaft vornehmen. Gegen diese Ansinnen hat sich der Widerstand inzwischen aber bereits auch auf nationaler Ebene organisiert. Zu schützen
gilt es vorab die einzigartige Flora und Fauna.
Der Referent stellt uns nun vor allem Heuschrecken, Schmetterlinge und Libellen vor, welche die Pflanzengesellschaften und Höhenstufen im
Bereich des Tagliamento besiedeln.
Während im Quellgebiet etwa Gewöhnliche Gebirgsschrecke (Podisma pedestris), Rotflügelige Schnarrschrecke (Psophus stridulus)
und Bunter Alpengrashüpfer (Stenobothrus rubicundulus) vorkommen, trifft man auf den vegetationsarmen Kiesbänken des Mittellaufes vor allem auf die Blauflügelige Sandschrecke (Sphingonotus
caerulans). Hier begegnen uns auch Wanderheuschrecke (Locusta migratoria), Östlicher Resedafalter (Pontia edusa) und Idasbläuling (Plebeius idas). In der
Weidenröschen-Braunwurzgesellschaft, aber auch in den beginnenden Lavendelweidengebüschen, findet man nebst Wechselkröte (Bufo viridis) auch Kiesbank-Grashüpfer (Chorthippus
pullus), Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) und Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus). Wo das Lavendelweidengebüsch fortgeschrittener ist und noch
Schwarzpappeln dazu kommen, beobachtet man auch Springfrosch (Rana dalmatina), Grossen Fuchs (Nymphalis polychloros), Grüne Strauchschrecke (Eupholidoptera chabrieri),
Zierliche Südschrecke (Pachytrachis gracilis) und Südliche Zartschrecke (Leptophyes laticauda).
Auf den feinsandig-schluffigen (d.h. tonigen) Auflandungen, wo Spitzkletten (Xanthium) und Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli)
gedeihen, leben Pionierarten wie Türks Dornschrecke (Tetrix tuerki) und Deutscher Sandlaufkäfer (Cicindela germanica). Besonders ergiebig demgegenüber die (früher
beweideten) Magerrasen mit Buschgesellschaften, wo z.B. Kreuzschrecke (Oedalus decorus) und Saumfleck-Perlmutterfalter (Brenthis hecate) auftreten.
Exkurse in die Trockentäler von Meduna und Cellina, sowie in den thermophilen Buschwald oberhalb des Tagliamento runden den mitreissenden
Vortrag ab.
Ende der Sitzung: 2100 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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