Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Gerhard Vonwil & Ruedi Osterwalder:  20 Jahre Erforschung der Libellen im Kt. Aargau

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 26. Oktober 2007


Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      61 Mitglieder und Gäste

Entschuldigt:   G. Bächli, A. Beck, Rosmary Bernhard, M. Braunwalder, D. Burckhardt, H. Cigler, Traute Fliedner, U. Itin, Verena Lubini, R. Spaar

Mitteilung:      Wir beklagen den Tod unseres Mitglieds Rudolf Mezger.

Als neue Mitglieder begrüssen wir mit Applaus: André Brunschwiler, Erika Dürst, Berndt Eismann, Michael Erhardt, Martina Funk Neumeyer, Madeleine Geiger, Guido Huber, Marie-Louise Hürlimann, Thomas Kissling, Eva Knop, Felix Kuhn, Niklaus Peyer, Heinz Pulfer (200. Mitglied!), André Rey, Verena Scheiwiller, Niklaus Schnell, Emilienne & Samuel Witzig.

Unser Ehrenmitglied Peter Hättenschwiler wurde von der Societas Europaea Lepidopterologica an ihrem 15. Kongress (11.9.2007) in Erkner bei Berlin (D) geehrt, wegen seiner Verdienste bei der Erforschung der Psychidae (Echte Sackträger).

Wir feiern 64 Jahre Mitgliedschaft unseres Ehrenmitgliedes Heidi Günthart.

Unser Ehrenmitglied Willi Sauter erhielt am 20. Symposium Internationale Entomofaunisticum Europae Centralis (26.–30.5.2007) in Cluj (Klausenburg, RO) eine Medaille für sein entomologisches Lebenswerk! Zudem feiern wir sein 50. Mitgliedsjahr.

Die überaus artenreiche Kiesgrube Rüteren in Weiach (ZH) droht als Deponie zu verkommen. Unterlagen für Einsprachen (bis 14.11.!) sind erhältlich beim Kassier (kassier@insekten-egz.ch).

 


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Gerhard Vonwil & Ruedi Osterwalder: 20 Jahre Erforschung der Libellen im Kt. Aargau

Als geborener Feldforscher, der sich draussen in der Natur wohler fühlt als im Büro über den gesammelten Daten, gibt uns der erste Referent (Vonwil) eine umfassende, bis hin zu den Feldprotokollblättern reichende Einführung in die Methodik, wie man im Feld Libellen (Odonata) zählt. Er arbeitet seit den 80er Jahren im Aargauer Reusstal, wo er die rund 20 vorkommenden Libellenarten im Feld so gut ansprechen kann, wie ein Ornithologe Vögel. Dabei werden die Libellen mit Hilfe eines Fernrohres gesucht und auch gezählt.

Wir erfahren sehr vieles, auch neues. So scheinen Grosses Granatauge (Erythromma najas) wie auch Kleines Granatauge (Erythromma viridulum) auf die Stille Reuss (ein Altlauf) angewiesen zu sein. Die Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) hingegen profitiert mit ihren sich schnell entwickelnden Larven von sog. Flutmulden, die im Winter trocken liegen. Zugenommen haben seit den 90er Jahren insbesondere die wärmeliebenden Arten. Pflegemassnahmen versuchen zugunsten von seltenen Pionierarten im Winter die Sukzession rückgängig zu machen. Dabei läuft seit 2 Jahren ein lobenswerter Versuch mit Wasserbüffeln (Bubalus bubalis).

Der zweite Referent (Osterwalder) beschränkt sich auf die Familie der Flussjungfern (Gomphidae), erforscht diese aber in allen Flüssen (Rhein, Aare, Reuss, Limmat, Suhre) des Aargaus (AG), ja sogar ausserhalb davon in der Lorze (ZG, ZH). Dabei zählt er keine adulten Libellen, sondern sammelt schwimmend Exuvien (Larvenhäute) an den Uferstrecken.

Weltweit kennt man 875 Arten von Flussjungfern, 5 davon kommen auch im AG vor. Sie kleben ihre Eier ans Flusskies, leben als Larven mindestens 2 bis 3 Jahre und schlüpfen im Flussuferbereich aus ihren Exuvien. Grundsätzlich kommen alle 5 Arten in fast allen erwähnten Flüssen vor, wobei aber die Gelbe Keiljungfer (Gomphus simillimus) im Rhein dominiert, die Grüne Keiljungfer (Ophiogomphus cecilia) in der Reuss und die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) in der Aare sowie der Limmat. In der Lorze wiederum sind Gemeine, Grüne und Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus) sowie Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus f. forcipatus) fast gleich häufig, während in der Suhre leider kaum Flussjungfern zu finden sind. Alle erwähnten Arten ausser der Kleinen Zangenlibelle stehen in der Roten Liste!

Über die Gründe dieser bemerkenswerten relativen Häufigkeitsunterschiede wagt der Referent keine Aussagen, empfiehlt aber trotzdem, Wellenschlag zu vermeiden, Seitenarme und Überschwemmungsflächen anzulegen, sowie Kiesflächen und –inseln zu schaffen.

  Ende der Sitzung: 2145 Uhr                             der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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