Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Thomas Walter:  Landwirtschaft und Artenvielfalt

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 23. November 2007
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      48 Mitglieder und Gäste

Entschuldigt:   G. Bächli, D. Burckhardt, H. Cigler, E. Day, Heidi Günthard, E. Hartmeier, Verena Lubini, H. Thomas

Mitteilung:      Der Referent spendet trotz tapferer Gegenwehr von Präsident und Kassier die Hälfte seines Honorars der Vereinskasse.
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Thomas Walter: Landwirtschaft und Artenvielfalt

 

Nachdem ein Landwirt vom Bund erstmals 1992 Beiträge für ökologische Ausgleichsflächen erhalten konnte, wurde 1999 der ökologische Leistungsnachweis dahingehend geregelt, dass diese Ausgleichsflächen fortan mindestens 7% der Gesamtfläche des betreffenden Landwirtschaftsbetriebes ausmachen müssen. Neu dürfen nun auch Weiden als Ausgleichsflächen gelten, sofern sie extensiv im Sinne von neu definierten Ökoqualitätsprinzipien genutzt werden. Um extensive Weiden wird es dem Referent nun auch hauptsächlich gehen.

Vergleicht man extensive Weiden mit extensiven Mähwiesen, so fällt auf, das die Wiesen zu einem gegebenen Zeitpunkt meistens blütenreicher sind, dafür aber ärmer an Strukturen wie etwa Lesesteinhaufen, Totholz, Sträucher, etc. Eine extensive Wiese darf dabei bis zu dreimal im Jahr gemäht werden, in der Regel aber nicht vor dem 15. Juni.

Das Vieh beeinflusst Struktur und Flora einer Weide vor allem durch Tritt, Frass und Dung. So werden etwa kleinwüchsige, niederliegende, trittunempfindliche oder rosettenblättrige Pflanzen ebenso begünstigt wie bittere, haarige, giftige, dornige, stachlige, nadeltragende oder holzige. Die Fauna wiederum reagiert auf die spezielle Flora, aber auch auf weidetypische Strukturen. So findet man dank trittbedingter Kahlstellen mehr Rotflügelige Schnarrschrecken (Psophus stridulus) in Weiden als in Wiesen. Auch die Wespenspinne (Argiope bruennichi) bevorzugt Weiden, aber weil dort eher ganzjährig stehenbleibende Halme vorhanden sind, zwischen denen sie ihr Netz aufspannen kann.

In einem schweizweiten Pilotprojekt wurden in einer ganzen Reihe benachbarter Probeflächen (je 1 Weide und 1 Wiese) Tagfalter, Heuschrecken, Spinnen, Bienen (Apidae) und Wespen (Aculeata ohne Bienen und Ameisen) gesammelt. Dabei zeigte es sich, dass Weiden und Wiesen nur rund 40% der Arten gemeinsam haben. Zudem sind Weiden generell artenreicher als Wiesen.

Untersucht wurden darauf Pflanzen, Heuschrecken und Tagfalter auf insgesamt 184 Weideflächen, diese möglichst gut verteilt über alle Regionen und weidefähigen Höhenstufen in der Schweiz. Als floristisch und faunistisch ergiebigste und aufgrund vorkommender Rote-Liste-Arten wertvollste Weiden erwiesen sich dabei solche aus dem Tessin, Wallis, Jura sowie trockenen Voralpenbereichen. Pflanzen, die konstant nur in den wertvollsten Weiden vorkommen und deshalb generell deren hohe Qualität anzeigen, sind z.B. Sonnenröschen (Helianthemum), Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule), Silberdistel (Carlina acaulis), Hufeisenklee (Hippocrepis), Kronwicken (Coronilla), Sichelklee (Medicago falcata), Bergklee (Trifolium montanum) und Skabiosen (Scabiosa). Bei Tagfaltern i.w.S. sind die besten Zeigerarten Grosser Perlmutterfalter (Mesoacidalia aglaja), Wachtelweizen-Scheckenfalter (Mellicta athalia), Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendula), Schwarzkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola), u.a., bei den Heuschrecken Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus), Gebirgsgrashüpfer (Stauroderus scalaris), Kleine Goldschrecke (Euthystira brachyptera), Warzenbeisser (Decticus verrucivorus), u.a.

Die floristisch wie faunistisch wertvollsten Weiden waren übrigens stark verbuscht, mit einem Gehölzanteil von 15% bis 25%, ja manchmal sogar waldrandartig bis zu 80%! Ferner räumt die Studie auch mit der Mär auf, Schafweiden seien artenärmer als Kuhweiden. In Wirklichkeit sind keine Qualitätsunterschiede zwischen Schaf-, Kuh- oder Pferdeweiden feststellbar. Entscheidend ist lediglich die jeweilige Beweidungsintensität (BI), wobei die faunistische Qualität einer Weide bei einer BI (= [Grossvieheinheit x Weidetage]/ha) von mehr als 150 markant abnimmt. Ungünstig sind zudem – selbst bei geringer BI – mehr als zwei Weideperioden pro Jahr.

 

  Ende der Sitzung: ca. 21.15 Uhr                          der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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