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ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 8. Februar 2008
Vorsitz: Verena Lubini
Anwesend: 35 Mitglieder und Gäste
Entschuldigt: G. Bächli, S. Bieri, Sonja Hauenstein,
Sonja Kägi, C. Meier, P. Peisl, P. Schär
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Jakob Walter : Zum 300sten Geburtstag von Carl von Linné
Carl Linnaeus wurde 1707 als Sohn des lutheranischen Pfarrers Nils
Ingemarsson geboren und hätte nach germanischer, in Island noch heute gültiger Sitte eigentlich Carl Nilsson heissen müssen, hätte sein Vater zuvor nicht willkürlich den Familiennamen
Linnaeus (aus "linn" = Linde) festgesetzt. Der Adelstitel (von Linné) wurde erst 1757 verliehen.
Carl von Linné lebte in einer eher frühen Phase des europäischen Zeitalters der Aufklärung, das mit Descartes (1596-1650) begann und mit
der französischen Revolution (1789-99) den Höhepunkt erreichte. Der wohl wichtigste Aspekt der Aufklärung, nämlich die Trennung von Kirche und Staat, befreite die Naturwissenschaften von
einer über 1000-jährigen, lähmenden kirchlichen Zensur, nachdem sie im klassischen, vorchristlichen (heidnischen) Altertum (800 v.u.Z. – 325 n.u.Z.) durchaus geblüht hatten. Als
bedeutendsten antiken Naturwissenschaftler kennen wir Aristoteles (384 – 322 v.u.Z.), der sich auch intensiv mit Biologie beschäftigte. In der italienischen Rennaissance (ab 1420) wurden
seine Schriften wieder aus der Versenkung hervor geholt und eifrig zitiert. Aber erst mit der Aufklärung kehrte der Mut zurück, auch wieder selber biologisch zu forschen.
Linnés Hauptinteresse galt zeitlebens der Botanik. Schon sehr früh von der Fortpflanzungsbiologie der Pflanzen fasziniert, schrieb er
darüber als Student in Uppsala eine Abhandlung (Praeludia Sponsaliorum Plantarum) und erhielt 1728 auch einen Lehrauftrag am Botanischen Garten. Vier Jahre später wurde ihm eine
Forschungsreise nach Lappland finanziert, dessen Pflanzenwelt er in einem weiteren Buch (Flora Lapponica) dokumentierte. 1735 brach Linné dann zu einem dreijährigen Studienaufenthalt
nach Holland auf, wo er seinen schwedischen Studienkollegen Peter Artedi (Petrus Arctaedius) wieder traf, den bekannten Fischforscher (Ichthyologen). Zusammen planten sie, Pflanzen,
Tiere und Mineralien weltweit zu klassifizieren. Artedi verunfallte aber noch im selben Jahr tödlich, worauf seine Manuskripte an Linné fielen, der sie einerseits publizierte,
andererseits aber auch einfliessen liess in seine erste, damals noch 11-seitige (später dann aber > 3000-seitige) Fassung von "Systema Naturae", eines seiner beiden Hauptwerke. Daneben
schrieb Linné in Holland noch weitere Bücher, ganz nebenbei auch eine unbedeutende medizinische Arbeit über Malaria als Doktorarbeit.
Wieder zurück in Uppsala heiratete Linné (1739) eine Arzttochter und wurde (1741) Professor für Medizin. Nach wie vor dozierte er aber
auch Botanik, wobei er regelmässig botanische Sammelexkursionen in die lokale Umgebung unternahm, mit bis zu 300 Studenten, die ihn jeweils begeistert hoch leben liessen ("vivat
Linnaeus!"). Man sagt, Linné sei starken Stimmungsschwankungen unterworfen gewesen. Jedenfalls hat er die 17 Studenten, welche er zu botanischen Sammelreisen rund um den Globus sandte,
ohne falsche Bescheidenheit als seine "Apostel" bezeichnet. Einige konnten sich dabei berühmten Entdeckern (wie z.B. James Cook) anschliessen, 8 starben unterwegs oder kurz nach ihrer
Rückkehr. Die Daten der Überlebenden waren aber so reichhaltig, dass sie massgeblich Linnés zweites Hauptwerk prägten, nämlich "Species Plantarum" (1753). Schon hierin führte er erstmals
seine berühmte binomiale (zweinamige) Nomenklatur (Namensgebung) ein, wonach eine Art nur noch mit Gattungs- und Artnamen benannt wird. Diese Idee hatte zwar schon Theophrastos von
Eresos (371-287 v.u.Z.), doch sie ging im Mittelalter wieder vergessen. Was indessen von Linné neu eingeführt wurde, ist die Klassifikation von Pflanzen ausschliesslich aufgrund ihrer
Anzahl Staubbeutel und Griffel.
1758 dann erschien die 10. Auflage von Systema Naturae. Nachträglich wurde dieses Datum als der Beginn der zoologischen Nomenklatur
erklärt, wodurch alle älteren Tiernamen ungültig wurden. Einzige Ausnahme sind die 66 Spinnenarten in "Svenska spindlar" (Aranei svecici, 1757) von Carl Alexander Clerck (1709-1765).
Ende der Sitzung: 2040 Uhr der Aktuar: Rainer Neumeyer
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