Entomologische Gesellschaft Zürich

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Vortragsprotokolle der EGZ

Hansruedi Wildermuth:  Libellen im Naturschutz

 

 

ENTOMOLOGISCHE GESELLSCHAFT ZÜRICH, Sitzung vom 28. Januar 2005
Vorsitz:           Claude Meier
Anwesend:      56 Mitglieder und Gäste


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Prof. Dr. Hansruedi Wildermuth: Libellen im Naturschutz

 

Libellen (Odonata) spielen im Naturschutz eine wichtige Rolle als Indikatoren (Zeigerarten) für die Qualität von Feuchtgebieten, ja sogar für die Existenz von gewissen Sonderstandorten.

Als Art von europäischer Bedeutung wurde die kurioserweise nur mehr in Sibirien und Tirol (A) vorkommende Bileks Azurjungfer (Coenagrion hylas) erkannt. Sie legt ihre Eier ausschliesslich in kalte Grundwasseraufstösse am Rande von Flussauen. Spezielle Ansprüche hat auch die in vielen europäischen Regionen, wie auch im Kanton Zürich (Kt. ZH) ausgestorbene Zwerglibelle (Nehalennia speciosa). In Polen, wo sie noch am häufigsten gefunden wird, bevorzugt sie von Wald umgebene Moorseen, wobei sie sich fast ausschliesslich in deren nur wenige Meter breiten Seggengürteln aufhält.

Ökofaunistik beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, wo welche Art vorkommt und weshalb nur dort und nicht überall. Die ökofaunistische Erforschung der Libellen nicht nur im Kt. ZH, sondern in der ganzen Schweiz erhielt in den 70er Jahren einen entscheidenden Anstoss, als der Referent zusammen mit unserem Präsidenten und weiteren Persönlichkeiten das Libellenforum gründete. Gewitzigt durch den Erfahrungsaustausch bei gemeinsamen Treffen und Exkursionen gelangen seither verschiedenen Leuten erstaunliche Beobachtungen. So entdeckte Traute Fliedner rund um den Sihlsee die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum). Egon Knapp wiederum fand in seinen Jagdgründen die inzwischen allerdings wieder ausgestorbene Mondazurjungfer (Coenagrion lunulatum). Auch der früher sogar im Kt. ZH lebende Zweifleck (Epitheca bimaculata) wurde in der Schweiz nicht mehr gesehen, bevor er an Fischteichen bei Bonfol im Jura wieder auftauchte. Wie bei anderen Tiergruppen, gibt es auch bei den Libellen trotz eines allgemein drohenden Rückganges Arten, die heutzutage markant häufiger sind als früher, wie etwa die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea). Wieder andere Arten, wie z.B. die Südliche Binsenjungfer (Lestes barbarus), fliegen in gewissen Jahren invasionsartig aus dem Süden ein, können sich bei uns aber (noch?) nicht halten.

Weil die faunistische Situation der Libellen in unserem Land in den vergangenen Jahren so dynamisch war, ist es wieder Zeit für einen aktuellen Verbreitungsatlas. Vom Referenten redigiert und mit Bildern des berühmten Malers Paul-André Robert (1901-1977) illustriert, wird er demnächst als Gemeinschaftswerk zahlreicher Spezialisten in der Reihe “Fauna Helvetica“ erscheinen, unter dem Titel “Odonata“.

Oft animieren ökofaunistische Erkenntnisse dazu, sich Biologie und Verhalten einzelner Arten genauer anzuschauen. So konnte Egon Knapp auf der Alp Flix (Oberhalbstein, GR) nachweisen, dass sich die Lebensräume der drei vorkommenden Smaragdlibellenarten (Somatochlora alpestris, S. arctica, S. metallica) separieren. Der Referent wiederum markierte in einer reizvollen Toteis-Seenlandschaft im Prättigau Gefleckte Smaragdlibellen (Somatochlora flavomaculata) individuell. Dadurch erkannte er, dass einzelne Tiere von Seelein zu Seelein fast 2 km weit fliegen und dabei mitunter auch über 300 Höhenmeter überwinden.

Irgendwann möchte man das angesammelte Wissen anwenden, um damit den Libellen zu helfen, sei es beim Bau von neuen Weihern, oder bei der Revitalisierung von Fliessgewässern. Oft sind es Pionierarten, die sich danach als erste einstellen. So auch die Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombi), die (als Larve) prompt flache Ufer von Weihern zu besiedeln pflegt. Sobald aber Rohrkolben aufkommen, verschwindet sie wieder, wie andere Pionierarten auch.

Eine Landschaft, wo der Referent all seine Erfahrung auch gestalterisch einbringen kann, bilden die sog. Drumlins bei Wetzikon. In diesem ehemaligen Torfabbaugebiet wurden zahlreiche neue Kleingewässern angelegt und man versucht auch, den dynamischen Verlandungsprozess in Gang zu halten. Ferner gilt es zu verhindern, dass das Gelände im Sommer austrocknet, oder aber nährstoffreiches Wasser aus der Umgebung erhält. Von all diesen Bemühungen profitieren so verschiedene Arten wie z.B. Grosse Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis), Weidenjungfer (Lestes viridis), Kleine Mosaikjungfer (Brachytron pratense), Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) oder Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltoni).

            Ende der Sitzung: ca. 2130 Uhr                                      der Aktuar: Rainer Neumeyer

 

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